Jonny clayton hinkt zum sieg – und packt über seine gicht aus

Der Waliser Jonny Clayton hat am Donnerstagabend die Premier League angezündet – und anschließend seine Latschen gezeigt. Der 51-Jährige setzte sich gegen die Konkurrenz durch, schlurfte dabei aber sichtbar. Grund: Gicht – eine Krankheit, die sonst eher in Senioren-Wohnheimen diskutiert wird, nicht auf der Bühne der Elite-Darts.

„Ich humpel, weil gicht meinen knöchel zerfetzt“

Clayton lachte trotzdem. „Ich bin sehr stolz auf mich“, sagte er nach dem zweiten Tagessieg dieser Saison. „Offensichtlich humple ich, weil ich an Gicht leide. Aber die Darts flogen gerade – und das ist alles, was zählt.“ Der linke Knöchel sei dick, rot und unerträglich. „Laufen ist Mist. Werfen aber geht.“

Die Zuschauer in der Arena ahnten nichts. Auf der Bühne wirkt Clayton wie ein Uhrwerk: leise, präzise, tödlich. Dass er sich zwischen den Aufnahmen die Schuhe aufreiht wie ein Skifahrer nach einem Sturz, fällt nur auf, wenn man genau hinsieht. Er selbst spricht es runter: „Arm ist frei, Herzschlag okay – alles im Plan.“

Göttingen? offen. die schmerzskala entscheidet.

Göttingen? offen. die schmerzskala entscheidet.

Am Freitag startet in der Göttinger Lokhalle die European Darts Trophy. 12.45 Uhr, Live auf SPORT1. Ob Clayton dabei ist, weiß er selbst nicht. „Das liegt komplett daran, wie sich mein Fuß entwickelt“, sagt er. „Wenn ich morgen früh aufstehe und denke: ‚Mensch, das geht‘, dann sitze ich im Auto. Aktuell: 50:50.“

Die Tour ist kein Wellness-Club. Flure aus Beton, Eiswürfel aus Plastikbechern, Schlange stehen bis Mitternacht. Wer nicht laufen kann, hat verloren. Clayton kennt die Regel. Er wird früh aufstehen, den Fuß ins kalte Wasser halten und testen, ob der Schmerz sich von acht auf drei runterschrauben lässt. Geht’s unter fünf, fliegt er nach Göttingen. Bleibt’s bei neun, bleibt er daheim – und schaut im TV zu, wie andere seinen Platz einnehmen.

Die Gicht bleibt. Aber auch die Punkte auf dem Konto. Clayton ist Tabellenzweiter. Solange der Arm keine Schmerzen spuckt, wird er weiterspielen. Ein Hinkender, der trifft – das ist fast schon ein Markenzeichen. Und die Gegner? Die wissen: Ein verletzter Waliser ist gefährlicher als ein fitter Engländer. Weil er nichts zu verlieren hat. Außer vielleicht seinen Schuh – wenn er morgen wieder raus muss.