Geschwindigkeit, risiko und der druck der welt: ein gespräch mit taubitz und langenhan
- Weltmeister packen aus: was männer und frauen beim rodeln wirklich unterscheidet
- Aerodynamik-duell: bus gegen sportwagen
- Der startvorteil und die kürzeren strecken
- Adrenalin-kick pur: zwischen kunstflug und motorradfahren
- Der druck der deutschen rodler-tradition
- Ist sport in deutschland noch wertvoll? eine bittere diagnose
- Cortina d’ampezzo: eine bahn mit potential
- Mixed-team: die zukunft des rodels?
Weltmeister packen aus: was männer und frauen beim rodeln wirklich unterscheidet
Julia Taubitz und Max Langenhan, beide amtierende Weltmeister, gewähren einen faszinierenden Einblick in die Welt des Rodelns. Was macht den Unterschied zwischen der männlichen und der weiblichen Fahrweise aus? Langenhan gesteht offen: „Ich wiege natürlich mehr, das verändert die Dynamik des Schlittens.“ Er schlägt vor, dass Taubitz seinen Schlitten probieren sollte – mit humorvoller Warnung: „Da kann sie allerdings den Kopf ablegen, weil der so lang ist!“
Aerodynamik-duell: bus gegen sportwagen
Aber es geht um mehr als nur Gewicht. Taubitz betont: „Die Männer riskieren auch noch mehr.“ Langenhan vergleicht sich selbst augenzwinkernd mit einem „Bus“, während Taubitz der „Sportwagen“ ist. In St. Moritz sieht er kaum eine Chance gegen sie: „Da muss ich bis zur Mitte der Bahn eine Sekunde herausfahren, weil ich unten so eine Dresche von Julia kriege!“ Sie ist schlichtweg vier bis fünf Kilometer pro Stunde schneller. Das Geheimnis? Die Aerodynamik.
Der startvorteil und die kürzeren strecken
„Ich bin zwar schwerer, aber habe dadurch auch mehr Luftwiderstand“, erklärt Langenhan. „Julias Aerodynamik ist einfach viel besser.“ Er freut sich, dass die Männer von einem höheren Startpunkt losfahren, um diesen Nachteil auszugleichen. Bei den Frauen sind die Strecken oft ein paar Kurven kürzer. Würde Taubitz gerne vom Herren-Start losfahren? „Wir versuchen das ab und zu, um das gleiche Tempo zu halten, wenn die Bahn langsamer wird.“
Adrenalin-kick pur: zwischen kunstflug und motorradfahren
Beide Rodler lieben die Geschwindigkeit und den Adrenalin-Kick. Was war für sie der größte? Taubitz erinnert sich an ihre Zeit beim Kunstflug, während Langenhan das Gefühl beim schnellen Motorradfahren schätzt. „Wir sind alle in diesem Adrenalinrausch gefangen“, gesteht er. „Höher, weiter, schneller!“ ist das Motto. Besonders Bahnen wie Sigulda oder Lake Placid bieten ununterbrochene Nervenkitzel.
Der druck der deutschen rodler-tradition
Seit 1994 holte Deutschland
bei Olympia stets Gold im Rodeln. Was bedeutet dieser druck? Taubitz sagt: „Der druck gehört dazu. Als Mannschaft haben wir den Anspruch, bei Olympia sehr gut abzuschneiden.“ Langenhan ist pragmatischer: „Mich juckt das gar nicht, wie die Erwartungen von außen sind!“ Er kritisiert jedoch die fehlende Wertschätzung des Sports in Deutschland: „Wenn wir Gold gewinnen, ist das für eine Woche interessant, aber zwei Wochen später weiß das keiner mehr.“Ist sport in deutschland noch wertvoll? eine bittere diagnose
Langenhan äußert sich kritisch zur Förderung des Sports in Deutschland. Er vergleicht die Situation mit anderen Ländern, in denen viel mehr Geld investiert wird. „Es ist traurig zu sehen, wie wenig Wert auf den Sport gelegt wird“, beklagt er. Selbst die Bewerbung für Olympische Spiele erscheint ihm fragwürdig, solange die Grundlagen im Land nicht stimmen. „Wir bekommen es selbst im Land nicht hin, den Sport entsprechend zu fördern.“
Cortina d’ampezzo: eine bahn mit potential
Die neue Olympia-Bahn in Cortina d’Ampezzo ist fertig geworden. Taubitz findet sie „grundsätzlich Spaß“, bemängelt aber, dass sie „nicht so spektakulär“ ist. Langenhan sieht die Passage der Kurven 3 bis 5 als entscheidenden Knackpunkt. „Es ist eine Bahn, wo es sehr eng werden wird.“ Die Kurve 4 entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.
Mixed-team: die zukunft des rodels?
Das Mixed-Team hat bei der WM Gold gewonnen. Sollte diese Disziplin auch olympisch werden? Langenhan ist begeistert: „Sehr gern! Mir macht es Spaß, weil es ein Wettkampf mit schnellen Entscheidungen ist.“ Taubitz teilt diese Meinung: „Wir hoffen alle, dass es bald olympisch wird.“