Von der flucht zum ring: boxer momo elmaghraby kämpft um sein glück
Momo Elmaghraby, ein Name, der in der deutschen Boxszene immer mehr Gewicht hat. Am Samstag steht der 30-jährige Halbschwergewichtler in Mailand vor einer wichtigen Aufgabe, doch seine Geschichte ist weit mehr als nur ein Kampf im Ring. Sie ist eine Geschichte von Verlust, Resilienz und der Suche nach einem Zuhause – und wie ein simpler Sport ihm diesen Halt gab.
Eine kindheit im schatten des nils, ein neuanfang mit 12
Momo erinnert sich an seine Kindheit im Delta des Nils als eine Zeit des Spiels und der Unbeschwertheit. „Ein Junge, der den ganzen Tag Fußball spielt. Ich war sogar ziemlich gut“, erzählt er. Doch mit zwölf Jahren sollte sich sein Leben schlagartig verändern. Ein vermeintlicher Urlaub in Italien bei seinem Vater entpuppte sich als endgültige Auswanderung. „Meine Mutter sagte, wir fahren zu Papa. Ich dachte, es wäre ein Urlaub. Aber wir sind nie zurück in Ägypten gefahren. Ich wurde hereingeführt“, gesteht er mit einem bitteren Lächeln.
Die Anpassung an Italien fiel ihm schwer. Das ständige Grauen, die fremde Sprache und der Rassismus an der Schule ließen ihn leiden. „Sie sagten, ich solle zurück in mein Land und Teppiche verkaufen. Was sollte ich tun? Ich habe sie geschlagen. Aber das waren Dinge von Jugendlichen“, erinnert er sich. Die familiären Probleme seines Vaters und seiner Mutter verschlimmerten die Situation zusätzlich, und er landete schließlich in einer Gemeinschaftsunterkunft.

Die erlösung im boxring
Doch dann kam die Wende. Ein Zufall, ein Gespräch mit einem ehemaligen Europameister, und plötzlich fand Momo etwas, das ihm Halt gab: die Boxhalle. „Ich habe verstanden, dass das mein Zuhause ist“, sagt er. Und er hatte Recht. Der Sport wurde zu seiner Therapie, seiner Möglichkeit, die innere Wut und Frustration in positive Energie umzuwandeln. „Ich habe angefangen, mich für etwas zu engagieren, das mir Freude bereitet und mir eine Perspektive gibt.“
Heute ist Momo Elmaghraby ein ungeschlagener Profiboxer mit einem beeindruckenden Rekord von 14 Siegen in 14 Kämpfen. Er arbeitet hart, sorgt für seine Familie und träumt von einer erfolgreichen Karriere. „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich habe aus meinem Leben etwas gemacht, das ich mir nie hätte träumen lassen.“
Die Erinnerung an seine Vergangenheit treibt ihn an. „Die Wut, die ich in mir trage, die hilft mir. Sie ist wie ein Motor, der mich antreibt. Ich muss sie kanalisieren, sie in meine Kämpfe stecken“, erklärt er. Und so steht Momo Elmaghraby am Samstag in Mailand wieder im Ring, bereit, alles zu geben – für sich selbst, für seine Familie und für all jene, die ihm auf seinem Weg geholfen haben.

Ein vorbild für die jugend
Seine Freunde und Fans, die ihn bei jedem Kampf unterstützen, sind ein Beweis für die Wirkung seiner Geschichte. Momo ist mehr als nur ein Boxer; er ist ein Vorbild für junge Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Er zeigt, dass es möglich ist, aus schwierigen Verhältnissen auszubrechen und ein erfülltes Leben zu führen. „Ich möchte meinen Kindern und Enkeln eines Tages eine Geschichte erzählen können, auf die sie stolz sind.“
Und während er den letzten Bissen seines Paninis in der Boxhalle verzehrt, ist es klar: Momo Elmaghraby hat seinen Frieden gefunden – im Ring, im Leben und in der Familie, die er sich hart erarbeitet hat. Der Weg war steinig, aber er hat ihn gemeistert. Und das ist es, was wirklich zählt.
