Luxus pur: der orient express corinthian erobert die meere
Ein französisches Meisterwerk gleitet ins Wasser: Der Orient Express Corinthian, das größte Segelboot der Welt, hat Saint-Nazaire verlassen. Ein Projekt, das die Welt der Luxusyachting neu definiert und die Tradition des legendären Orient Express-Zuges auf die See überträgt.
Ein traum aus stahl, carbon und edlen hölzern
Die Vision hinter dem Corinthian ist schlichtweg atemberaubend. Zwei französische Giganten, Orient Express und Chantiers de l'Atlantique, haben ihre Expertise vereint, um ein Schiff zu schaffen, das in puncto Größe, Technologie und Luxus neue Maßstäbe setzt. Mit einer Länge von 220 Metern und einem Gewicht von 15.000 Tonnen überragt das Schiff alles, was der Markt bisher gesehen hat. Ein Blick auf die technischen Details offenbart das Ausmaß der Ingenieurskunst: Drei Masten aus Carbon, jeder über 100 Meter hoch, tragen Segelflächen von jeweils 1.500 Quadratmetern, die vollständig automatisiert sind. Das System SolidSail, eine proprietäre Entwicklung von Chantiers de l'Atlantique, ermöglicht eine 360-Grad-Rotation der Masten und eine Neigung von bis zu 70 Grad – eine geniale Lösung, um auch unter Brücken hindurchpassen zu können.
Die ersten Tests waren vielversprechend: Bei einem Wind von 20 Knoten erreichte das Schiff eine Geschwindigkeit von 12 Knoten, ausschließlich unter Segeln. Ein Resultat, das für ein Schiff dieser Größenordnung beispiellos ist. Aber der Corinthian ist mehr als nur ein Segelboot; er ist ein schwimmendes Luxushotel auf See.

Hybride technologie für nachhaltigkeit und flexibilität
Während die Segelflächen bei optimalen Windverhältnissen bis zu 100 Prozent der benötigten Leistung erbringen können, setzt der Corinthian auf einen hybriden Antrieb, um maximale Flexibilität und Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Die Motoren laufen entweder mit Flüssigerdgas (LNG) oder Diesel, wodurch die Emissionen drastisch reduziert werden. Der Einsatz von LNG senkt den Ausstoß von Schwefeloxiden (SOx) und Feinstaub nahezu auf Null und verringert den Stickoxid-Ausstoß signifikant. Damit erfüllt der Corinthian die höchsten Anforderungen an die Energieeffizienz (EEDI).
Darüber hinaus setzt das Schiff auf innovative Sicherheitstechnologien, darunter ein KI-gestütztes System zur Erkennung von Meeressäugern und ein dynamisches Positionierungssystem, das das Ankern überflüssig macht und den Schutz des Meeresbodens gewährleistet.
Ein palast für 54 gäste
Der Innenraum des Corinthian ist eine Hommage an die goldene Ära des Reisens, inspiriert vom legendären Orient Express-Zug und den luxuriösen Transatlantikern. Unter der Leitung von Maxime d'Angeac, dem Kreativdirektor von Orient Express, wurden die Räume mit edlen Materialien wie Leder, edlen Hölzern und Marmor ausgestattet. 54 Suiten, die zwischen 45 und 230 Quadratmeter groß sind, bieten Platz für bis zu 100 Gäste. Jede Suite verfügt über ein Panoramafenster von 3,60 Metern Länge und einen persönlichen Butler-Service.
Kulinarische Highlights werden von dem Sternekoch Yannick Alléno und seinem Team mit 18 Michelin-Sternen geboten. Fünf Restaurants, private Küchen und acht Bars, darunter eine Art-déco-inspirierte Speakeasy-Bar, sorgen für kulinarische und unterhaltsame Abwechslung. Ein 115-stimmiges Kabarett, eine Guerlain-Spa und ein Pool auf dem Achterschiff runden das Angebot ab.
Der Corinthian übertrifft mit Abstand seinen Vorgänger, die Sailing Yacht A des russischen Oligarchen Andrej Melnichenko, die derzeit in Triest unter administrativer Beschlagnahmung steht. Auch die Kosten für die Instandhaltung des 127 Meter langen Koru von Jeff Bezos, der im Jahr 2023 in Auftrag gegeben wurde, belaufen sich auf schätzungsweise 30 Millionen Dollar pro Jahr – ein Privialbetrag für den Amazon-Gründer.
Ab Mai 2026 wird der Orient Express Corinthian zunächst im Mittelmeer und in der Adria verkehren, bevor er im Herbst den Atlantik überquert und den Winter in der Karibik verbringen wird. Für 2027 sind Routen im östlichen Mittelmeer und im nordeuropäischen Raum geplant. Die Ära des luxuriösen Segelns hat offiziell begonnen.
