Frey: vom triumph zur todesangst – ein porträt des fußballhelden
Ein Leben zwischen Jubel und Schatten: Der ehemalige Torhüter Sebastien Frey hat im Interview mit dem Corriere della Sera eine beklemmende Geschichte von Erfolg, Krankheit und innerem Kampf offenbart. Ein Porträt des Mannes, der dem Tod ins Auge blickte – und zurückkam.
Die frey-dynastie: mehr als nur ein name im fußball
Frey betont stolz die lange Tradition seiner Familie im Fußballgeschäft. Während andere Namen in der Diskussion um Fußball-Dynastien immer wieder genannt werden, bleibt die Frey-Familie oft im Verborgenen. „Mein Großvater spielte in der französischen Nationalmannschaft, mein Vater in der Ligue 2, ich und mein Bruder in der Serie A, und mein Sohn spielt aktuell bei Cremonese. Vier Generationen – wer kann das von sich behaupten?“, fragt Frey rhetorisch und zeigt damit auf eine oft übersehene Leistung.
Doch dieser Stolz ist untrennbar mit einer tiefen, persönlichen Tragödie verbunden. Frey erzählt von einem Versprechen an seinen Großvater, ihm das Trikot seiner ersten Nationalmannschaftskampf zu schenken. Ein Versprechen, das er ein Jahr nach dem Tod seines Großvaters dennoch hielt – indem er das Trikot in dessen Grab legte. Ein bewegender Moment, der die tiefe Verbundenheit und den Respekt für seine Familiengeschichte unterstreicht.

Der abstieg in die depression: ein kampf gegen die innere leere
Nach schweren Verletzungen und der Trennung von seiner Frau stürzte Frey in eine tiefe psychische Krise. „Ich kam abends nach Hause und alles war leer und dunkel. Ich konnte nicht schlafen, wurde von Gedanken überwältigt“, schildert er seine Situation. Der Weg zurück zur Normalität führte ihn über die professionelle Hilfe eines Psychologen. Ein Schritt, der ihm das Leben rettete, wie er zugibt. Er thematisierte auch das Tabu rund um psychische Gesundheit im Fußball, das zu seiner Zeit noch weit verbreitet war: „Ich habe es nicht mit Freunden besprochen, aus Angst, dass sich die Gerüchte verbreiten könnten. Damals war die Fußballwelt nicht bereit, mich als Kranken oder Schwachen zu behandeln.“
Die Wende kam durch die Begegnung mit einem Freund, dem er seinen Glauben an den Buddhismus verdankt. „Ich war im Trainingslager mit der Fiorentina, fühlte mich unsicher wegen meines Knies, war in einer Krise. Ich rief Roby (Baggio) an. Er führte mich in den Buddhismus ein. Er hat mein Leben verändert. Er gab mir eine Perspektive, die auf Klarheit basiert.“

Der tod am rande: eine autoimmunerkrankung und das letzte vermächtnis
Der erschütterndste Moment in Freys Bericht ist die Schilderung seiner schweren Erkrankung im Jahr 2019. Eine Autoimmunerkrankung brachte ihn an den Rand des Abgrunds. „Ich wachte eines Morgens auf und konnte nur noch meinen Kopf bewegen. Der Rest meines Körpers war gelähmt. Der Arzt warnte mich: ‚Das kann tödlich sein.‘“ Frey spricht offen über die Angst vor dem Tod und die Tatsache, dass er in dieser Situation sogar sein Testament verfasst ließ. Ein Glücksfall, dass dieses Testament letztendlich nicht benötigt wurde.
Und es gab bereits 2016 eine Beinahe-Katastrophe, als Frey nur knapp der Terrorattacke von Nizza entging. Ein geplantes Treffen mit Freunden sollte dort stattfinden, doch eine Flugverspätung rettete ihm das Leben. „All diese Erfahrungen haben mich etwas gelehrt“, fasst Frey seine Geschichte zusammen. „Die erste Verletzung führte mich zum Buddhismus, die zweite zwang mich, in mich hineinzublicken. Die Krankheit hat mich sensibler gemacht und mir die Schönheit des Lebens bewusst.“
