Albertini zieht bilanz vor dem derby: „scudetto? noch ist alles drin“
Demetrio Albertini schaut zurück – und vor. Vor allem aber schaut er genau. „Ein Derby ist nie ein Spiel wie jedes andere“, sagt der ehemalige Mittelfeld-General des AC Milan, der in den Neunzigern zweimal per Elfmeter gegen Inter traf. „Da geht es um drei Punkte, aber auch um Tradition, Stolz, Emotion.“
Warum leao recht hat – und warum nicht
Rafael Leao hatte diese Woche vom „Kampf auf Leben und Tod“ gesprochen, vom Derby als „persönlicher Mission“. Albertini nickt – mit Einschränkung. „Früher brauchte man keine Warnungen. Maldini, Baresi, Costacurta – die wussten, was Sache ist. Heute wechseln Kader schneller, viele Spieler kommen aus dem Ausland. Leao ist seit sieben Jahren dabei, er will die Neuen wachrütteln. Das ist okay.“
Die Worte über das Nicht-Ausgehen? „Sollte Standard sein, nicht nur vor dem Derby“, lacht er. „Aber die Botschaft ist klar: Im Derby trägst du nicht nur dein Gesicht, sondern das von Baresi, Rivera, allen vor dir.“

Sieben punkte rückstand – ein drama, kein ende
Verliert der Milan am Sonntag, kann Inter den Sekt schon kalt stellen. Gewinnt der Milan, bleibt die Meisterschaft heiß. Albertini kennt beide Seiten. „1999 lag Lazio sieben Punkte vor uns, wir holten sie ein. Ich weiß, wie schnell sich Blätter wenden.“
Die Statistik gibt ihm recht: In den letzten sechs Derbys ging der Milan vier Mal als Sieger vom Platz, zweimal gab’s Remis – obwohl Inter laut Buchmacher stärker war. „Derby-Logik“, nennt er das. „Tabelle? Egal. Hier zählt nur, wer brennt.“

Allegri, pulisic und die frage nach dem system
Albertini weigert sich, den Trainer zu kritisieren. „Maximiliano Allegri hat Ordnung reingebracht, das war Job eins.“ Die Diskussion um einen Systemwechsel vom 3-5-2 zum 4-3-3 hält er für „Papierdebatte“. „Inter spielt 3-5-2 und hat die beste Offensive. Kommt auf die Spieler, nicht aufs Schema.“
Christian Pulisic trifft seit Wochen nicht mehr. „Das Leben eines Stürmers“, sagt Albertini. „Er wird wieder treffen. Bis dahin muss das Team ihn tragen – wie in Cremona, wo er den Siegtreffer vorbereitete.“
Am Ende bleibt ein Satz, der wie ein Mantra klingt: „Im Derby zählt nicht, wer besser ist. Sondern wer mehr Milan – oder Inter – in sich trägt.“ Die Stadt atmet schon jetzt anders. Und Albertini? Er wird vor dem Fernseher sitzen. Mit Herzschlag. Und mit der Gewissheit: „Noch ist nichts entschieden. Nie.“
