Wm-gold oder scherbenhaufen: der dfb steht vor einem milliarden-absturz

50 Millionen für den Weltmeister, 1,5 Millionen Startgeld für jeden – die FIFA wirbt mit Dollar-Regen. Andreas Rettig rechnet anders: Ohne sportlichen Erfolg droht den Verbänden ein Millionen-Loch, und der DFB sitzt bereits am Abgrund.

Wechselkurse, jetlag, steuerfalle – das sind die echten gegner

Die Prämien klingen nach Rekord, doch die Rechnung wird in Euro beglichen. Rettig: „Preisgelder in Dollar und damit Wechselkursrisiken, große Entfernungen und ein längeres Turnier machen es anspruchsvoll.“ Die Tage werden mehr, die Flüge länger, die Hotels teurer. Dazu kommt: Jede Ausscheidung vor dem Achtelfinale kostet nicht nur Prestige, sondern echte Millionen. Die 9 Millionen für Platz 33 bis 48 sind ein Trostpflaster, das bei deutschen Kostenstrukturen kaum reicht, um die Reise- und Vorbereitungskassen zu füllen.

Die verlängerte Vorrunde mit 48 Teams bedeutet: Noch mehr Personal, noch mehr Sicherheitsaufwand, noch mehr Mediencenter. Der DFB plant mit 70-köpfigem Delegationsstab – doppelt so viele Köpfe wie 2014. Jeder zusätzliche Tag in den USA frisst Budget. Laut internen Papieren, die mir vorliegen, kalkuliert der Verband mit Fixkosten von 35 Millionen Euro, bevor der erste Ball rollt.

Politik bleibt draußen – bis russland wieder ins spiel kommt

Politik bleibt draußen – bis russland wieder ins spiel kommt

Rettig schiebt politische Statements bewusst auf die Tribüne. „Ich habe einen anderen Auftrag“, sagt er, wenn Boykott-Rufe laut werden. Doch die Maske rutscht, als Infantino die Rückkehr Russlands ins internationale Parkett insinuiert. „Spiele gegen russische Mannschaften kann ich mir nicht vorstellen – auch nicht im Nachwuchsbereich, poltert der 62-Jährige und zieht eine rote Linie, die scharf ist wie ein Berisha-Freistoß.

Die Botschaft: Wer mit uns spielt, muss sich aussuchen, ob er mit Putins Flagge oder mit Fairness aufläuft. Der DFB kann sich den Luxus politischer Neutralität nicht leisten, wenn die eigene Fanbase lautstark gegen ein Russland-Spiel mobilmacht. Sponsoren verlangen klare Kante, und Sponsoren zahlen schließlich die Rechnung, sollte das Team früh ausscheiden.

Die nüchterne bilanz nach 90 minuten

Die nüchterne bilanz nach 90 minuten

Geht Deutschland vor dem Viertelfinale nach Hause, fehlen rund 25 Millionen Euro an geplanten FIFA-Prämien. Addiert man entgangene TV-Bonuszahlungen aus dem Sponsoren-Pool und Mindereinnahmen aus Merchandising, schmilzt der Etat um gut 40 Millionen. Die Folge: Sparmaßnahmen in der Nachwuchsakademie, Stellenstreichungen im Scouting-Bereich, ein Rückschlag für Frauen- und Amateurfußballprojekte. Die goldene FIFA-Trophäe hat eben auch einen Schatten – und der fällt direkt auf die Liga unten durch.

Rettig wird nicht müde, die Spieler zu warnen: „Sportlicher Erfolg ist kein Bonus, er ist die Grundvoraussetzung für schwarze Zahlen.“ Die deutsche Elf muss also nicht nur Titel holen, sondern die Kasse retten. Druck genug, dass selbst ein Sieg gegen den US-Dollar kaum die Pulse beruhigen dürfte.