Trump droht spanien mit handelsstopp – doch madrid ist nicht mehr der wurmfortsatz von einst

Donald Trump lässt seinen Blick über den Atlantik schweifen und sieht Rot – doch diesmal trifft seine Wut nicht den Iran, sondern Spanien. Weil Madrid die US-Basen Rota und Morón für Angriffe auf Teheran nicht freigibt und die Verteidigungsausgaben unter der von ihm geforderten Marke von fünf Prozent des BIP liegt, droht der US-Präsident mit einem „totalen Handelsembargo“. Die Drohung wirkt wie ein Schlag ins Wasser.

Spanien antwortet mit industrie-knowhow statt kniefall

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 2025 rollten in spanischen Werken 2,27 Millionen Fahrzeuge vom Band – nur die deutschen Fabriken produzieren in Europa mehr. Stellantis baut in Saragossa, Ford in Valencia, Mercedes in Santander und VW-Tochter Seat in Martorell und Pamplona. Die Produktionslinien laufen auf Hochtouren, und die Investoren schlagen sich nicht aus Angst vor Trump die Taschen, sondern wegen niedriger Energiepreise und perfekter Logistik.

Der Strompreis lag im ersten Halbjahr 2025 um 32 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Grund: Windräder und Solarparks schießen aus dem Boden, während die Gas- und Kohleverstromung seit 2019 um drei Viertel eingebrochen ist. Genau diese Kostenlage lockt chinesische Konzerne wie Geely, Chery und SAIC, die hier binnen kürzester Zeit eigene Werke hochziehen wollen. Wer billig Strom hat, spart Millionen – egal, was Trump twittert.

Der schuss geht nach hinten los

Der schuss geht nach hinten los

Washington mag glauben, Madrids Öl- und Weinexporte seien leicht ersetzbar. Tatsache ist: Die spanischen Ausfuhren in die USA brachen nach bereits verhängten Zöllen um acht Prozent ein, kosteten 1,3 Milliarden Euro und trieben 1.377 Unternehmen aus dem Markt. Umgekehrt aber steigen die US-Importe nach Spanien um acht Prozent – das Handelsdefizit für Madrid klettert um 35 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro. Trump schadet also vor allem eigener Industrie.

Kanzler Friedrich Merz räumte in Washington ein, was jeder Logistiker längst weiß: Spanien ist EU-Mitglied, kein isolierter Handelspartner. Ein Sonderboykott würde Brüssel sofort vor die WTO zerren und US-Firmen zusätzliche Milliarden kosten. Die Antwort von Ministerpräsident Pedro Sánchez kommt am Mittwoch – sie dürfte kühl kalkuliert sein.

Die Mär von der wehrlosen Iberischen Halbinsel ist längst Makulatur. Spanien liefert nicht nur Autos, sondern auch die Windturbinen und Photovoltaik-Anlagen, mit denen die USA ihre Klimaziele erreichen wollen. Wer jetzt die Reißleine zieht, steigt nicht aus, sondern steigt aus – aus einem Zug, der mit 300 Sachen Richtung Zukunft rast. Trump verspielt gerade den Zughalt.