Rom zieht auf dem mipim den stecker: 160 millionen für ein tennis-stadion, das nie schläft
Rom reist zur weltgrößten Immobilienmesse – und präsentiert kein Bürohaus, sondern einen Tennis-Tempel. 12.400 Sitze, 8.300 Quadratmeter Dach, das sich wie ein Faltblatt öffnet, und eine Parkanlage, die 25 Prozent mehr Grün verspricht. Preis: 160 Millionen Euro. Adresse: Foro Italico. Zweck: Sport als Immobilienhebel.

Mezzaroma setzt auf sport statt beton
Marco Mezzaroma, Präsident von Sport e Salute, steht am Stand der Stadt Rom in Cannes und rechnet vor: „Eine Sportanlage ist keine Ausgabe, sie ist ein Multiplikator.“ Dahinter steckt ein einfaches Kalkül: Wer Sportbauten errichtet, hebt die Grundstückspreise im Umkreis. Die Zahlen liefert er gleich mit: Sozialrendite bis zu 8,4-fach. Immobilienentwickler lauschen, Investoren notieren.
Den Anfang macht das neue Centrale del Tennis. Ab 2026 soll das Stadion ganzjährig laufen – Tennis, Basketball, Konzerte, Messen. Die bisherige Saison-Ende-Pause fällt weg, das bedeutet 365 statt 30 Veranstaltungstage. „Wir verwandeln ein Monatsgeschäft in ein Jahresgeschäft“, sagt Mezzaroma. Die Konkurrenz schaut betreten: ATP-Events, aber auch die NBA Europe, haben Rom plötzlich auf dem Zettel.
Neben dem Tennis-Mammut kreist alles um das Programm „Illumina“. 85 italienische Kommunen sollen bis Sommer 2026 urbane Freiflächen in begehbare Sportplatze verwandeln – kostenlos, sicher, beleuchtet. Bürgermeister Roberto Gualtieri nennt das „Piazza-Revolution“. Dahinter steckt eine Public-Private-Partnership-Plattform namens Co-Illumina, die private Geldgeber mit garantierter Rendite lockt. Wer investiert, erhält Zertifikate, die sozialen Impact bereits eingepreist.
Die Pilotprojekte liegen schon auf dem Tisch: In der Viale Tiziano in Rom und der Via Piranesi in Mailand entstehen „Casa dello Sport“. Alte Sportbüros werden abgerissen, durch Mischquartiere ersetzt. Unten Fitness, oben Wohnungen. Die Ex-Civis-Area, ein brach liegendes Stück Stadt, folgt als nächstes. „Wo Sport investiert, folgt der Markt“, sagt Mezzaroma und klingt dabei nicht wie ein Sportfunktionär, sondern wie ein Immobienfondsmanager.
Die Botschaft ist klar: Italien will nicht nur Fußball-Stadien sanieren, sondern den gesamten Sektor zur Asset-Klasse erheben. Die Zeitrechnung beginnt jetzt. Schon im Herbst sollen erste Spatenstiche erfolgen. Wer dann noch von „Ausgaben“ spricht, wird verlacht werden.
