Odermatt stoppt die zeit: fünfter gesamtsieg, und er traut es kaum

Marco Odermatt lacht nicht, er gluckst. Im SRF-Interview klingt sein Satz wie ein Seufzer, der nochmal nachhallt: „So etwas ist weder planbar, noch kann man sich das als kleiner Junge wünschen.“ Die Zahlen sprechen trotzdem klar: Fünfter Gesamtweltcupsieg, dazu der dritte Abfahrtsglobus – und niemand in der Schweiz je zuvor so viele Kristallkugeln auf dem Kaminsims.

Die konstanz, die alle plagt

Die konstanz, die alle plagt

Was ihn von Klammer, von Zurbriggen, von alle anderen Schweizer Ski-Göttern unterscheidet, ist nicht die Spitze, sondern die Dauer. 28 Jahre alt, vier Monate Saison, jedes Wochenende ein Finale. Die Gegner wechseln, die Schneekanonen quietschen, die Nidwaldner Maschine läuft. „Jahr für Jahr muss alles passen – Material, Kopf, Knie, Wetterlotterie“, sagt er. Diese Saison passte wieder. Rang drei in Courchevel reichte, um Cyprien Sarrazin auf Distanz zu halten. Das Lowlight? Kitzbühel, knapp verpasst. Das Highlight? Adelboden und Wengen, „vor diesem Publikum ist alles ein bisschen größer“.

Die Statistik schaut schon weiter. Mit 17 Saisonsiegen in Folge hat er die größte Serie seit Hirscher 2019. Doch Odermatt redet nicht über Rekorde, er redet über Kinderträume. „Als Bub bist du froh, überhaupt einmal ins Ziel zu kommen, ohne hinzufallen.“ Dass er heute die Bestzeit schreibt, „macht einfach Spass“, sagt er und klingt dabei wie ein Nachbar, der sein Auto gewaschen hat.

Die Saison ist noch nicht vorbei. Noch drei Rennen, dann Sommer. Aber die Frage, ob er jemals aufhören will, beantwortet er mit einem Schulterzucken: „Solange die Beine stillstehen und der Kopf mitspielt, fahre ich.“ Die Zeit stoppt für niemanden – außer für Marco Odermatt, der sie gerade wieder einmal angehalten hat.