Motogp 2027: verträge auf eis – liberty media hält die fäden in der hand

Die MotoGP-Welt hält den Atem an. Während die Saison 2026 bereits in vollem Gange ist, herrscht hinter den Kulissen eine ungewöhnliche Stille. Top-Rider, Teams und Hersteller warten – und das trotz zahlreicher fortgeschrittener Verhandlungen für die kommende Saison 2027.

Die ursache der verzögerung: ein neuer eigentümer und neue regeln

Der Grund für diese Zögerlichkeit liegt in der tiefgreifenden Umstrukturierung des Sportformats. Liberty Media hat den Traditionsverein Dorna Sports übernommen und ihn in den MotoGP Sports Entertainment Group (MSEG) umbenannt. Es geht dabei nicht nur um einen Namenswechsel, sondern um eine komplett neue Managementstrategie, die sich am Erfolg der Formel 1 orientiert. Das bedeutet: neue Regeln, neue Prioritäten und vor allem eine andere Verteilung der finanziellen Ressourcen.

Die MotoGP erlebt derzeit einen wirtschaftlichen Höhenflug. Allein im Jahr 2025 stiegen die Einnahmen um 14 Prozent auf 573 Millionen US-Dollar, das operative Ergebnis konnte um 86 Prozent auf 54 Millionen US-Dollar gesteigert werden. Die TV-Rechte machen dabei den größten Teil aus – 41,2 Prozent der Gesamteinnahmen. Die Zuschauerzahlen sind ebenfalls beeindruckend: 9 Prozent mehr Einschaltquoten und 21 Prozent mehr Besucher auf den Rennstrecken. Über 3,6 Millionen Zuschauer besuchten 2025 insgesamt die Rennen – ein neuer Rekord.

Marc márquez im fokus: ein deal mit ungewissem ausgang

Marc márquez im fokus: ein deal mit ungewissem ausgang

Ein Name, der besonders im Fokus steht, ist Marc Márquez. Der erfahrene Spanier hat seinen Vertrag bei Ducati noch nicht verlängert und fordert offenbar eine spezielle Klausel, die ihm im Falle einer schwächeren Leistung Ausstiegsmöglichkeiten gewährt. Seine körperliche Verfassung ist ein entscheidender Faktor: Die Verletzung an der Schulter, die er im Oktober letzten Jahres in Mandalika erlitt, ist noch nicht vollständig ausgeheilt und seine Effizienz wird auf etwa 50 Prozent geschätzt. Sollte Ducati im „revolutionären“ Jahr 2027 nicht konkurrenzfähig sein, könnte Márquez zu anderen Teams wechseln – Gerüchte über ein Angebot von Honda mit einem Jahresgehalt von über 20 Millionen Euro kursieren bereits.

Die verhandlungen zwischen mseg und msma: der schlüssel zum erfolg

Die verhandlungen zwischen mseg und msma: der schlüssel zum erfolg

Die eigentliche Blockade liegt jedoch im noch ausstehenden Abkommen zwischen MSEG und der MSMA (MotoGP Sports Manufacturers Association), dem Zusammenschluss der Hersteller Ducati, KTM, Aprilia, Yamaha und Honda. Dieses Abkommen regelt die Verteilung der TV- und Sponsorengelder und somit die Budgets der Teams. Die Hersteller wollen sich erst dann festlegen, wenn sie Klarheit über die finanziellen Rahmenbedingungen haben. Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Einfluss auf die zukünftigen technischen Regularien.

Die Fahrer selbst verfolgen ebenfalls eine abwartende Strategie. Sie wissen, dass die steigende Attraktivität der MotoGP ihre Verhandlungsposition stärken könnte, sobald das Abkommen zwischen MSEG und MSMA unterzeichnet ist. Pedro Acosta könnte als neuer Teamkollege bei Ducati hinzukommen, während Yamaha verstärkt auf junge Talente wie Ai Ogura setzt und versucht, die Schwächen der M1 V4 in den Griff zu bekommen.

Ob die Spannung in Jerez an diesem Wochenende endlich gelöst wird und die ersten offiziellen Vertragsverlängerungen bekannt gegeben werden, bleibt abzuwarten. Aber eines ist sicher: Die MotoGP-Familie sitzt auf heißen Stühlen und wartet auf das Signal von Liberty Media.