Kreis unter druck: wm-ambitionen trotz ausfälle?
Zürich – Harold Kreis, der Bundestrainer der Eishockeynationalmannschaft, steht vor der WM in Zürich und Fribourg unter keinem guten Stern. Nach verpassten Hoffnungen bei Olympia und einem frühen K.O. in der Vorrunde des Vorjahres muss er nun beweisen, dass er trotz eines dezimierten Kaders und einer fragilen Bilanz noch für Furore sorgen kann.
Die schatten der vergangenheit lasten schwer
Die Enttäuschung von Mailand, wo das vermeintlich stärkste Team aller Zeiten um Superstar Leon Draisaitl überraschend an der Slowakei scheiterte, sitzt tief. Kreis selbst räumte ein, dass der Fortschritt seit 2023 „vielleicht nicht den gemacht hat, den sich einige vorgestellt haben“. Die Liste der Dinge, die in Mailand besser hätten laufen können, sei „etwas länger“ gewesen als die der positiven Aspekte. Ein bitteres Erwachen für eine Mannschaft, die mit hohen Erwartungen in die Olympischen Spiele gegangen war.
Doch Kreis wirkt unbeeindruckt. „Es ist Teil des Geschäfts“, kommentierte der Deutsch-Kanadier die Situation im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). „Die Ergebnisse, wie tritt die Mannschaft auf, leben wir unsere Werte und Identität? Das wird nach dem Turnier diskutiert und entschieden. Aber das belastet mich jetzt nicht.“ Ein Mann, der 28 Jahre lang am Trainerstand verbracht hat und bereits zweimalige Meister in der Schweiz feierte, lässt sich von dem Druck nicht unterkriegen.

Personelle engpässe als zusätzliche herausforderung
Die Abwesenheit von Schlüsselspielern wie Leon Draisaitl, Tim Stützle und John-Jason Peterka stellt Kreis vor eine enorme Herausforderung. Doch der Trainer zeigt sich unbesorgt. „Nein“, antwortete er kurz und bündig auf die Frage, ob er unter dem Druck der Ausfälle leide. Stattdessen will er den Fokus auf die Mannschaft legen und den Zusammenhalt stärken. „Unsere Tugenden sind Leidenschaft, Kampfgeist, Zusammenhalt – die sind ja nicht verloren gegangen, sie waren vielleicht ein bisschen eingestaubt, weil man sie nicht immer wieder in Erinnerung gerufen hat.“
Kreis scheint zu hoffen, dass die Spieler die Werte nun wieder verinnerlichen und auf dem Eis umsetzen. Es geht darum, eine Einheit zu bilden, die trotz fehlender Stars für Überraschungen sorgen kann. Die WM in der Schweiz bietet die Chance, alte Fehler zu korrigieren und eine neue Identität zu finden. Ob Kreis diese Chance nutzen kann, wird sich zeigen.
Die vergangene Tendenz war alles andere als rosig: Viertelfinale 2024, Vorrunde 2025. Die Erwartungen sind gedämpft, aber der Wille zu kämpfen scheint ungebrochen. Die Fans hoffen auf eine Wiederholung des sensationellen Starts mit WM-Silber in Tampere, doch der Weg dorthin ist steinig. Kreis muss nun beweisen, dass er trotz aller Widrigkeiten das Potenzial der Mannschaft freisetzen kann.
Die kommenden Spiele gegen Finnland, aber auch gegen die anderen Gruppengegner, werden zeigen, ob der Bundestrainer seine Kritiker verstummen lassen kann. Ein frühes Ausscheiden wäre der nächste Tiefschlag, während ein erfolgreicher Turnierverlauf seine Position nachhaltig stärken würde. Die Entscheidung liegt auf dem Eis.
