Eishockey-wm: kreis nimmt druck nicht an – „teil des geschäfts“
Zürich – Harold Kreis, der Bundestrainer der deutschen Eishockeynationalmannschaft, steht vor der WM in der Schweiz unter Beobachtung. Nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus im vergangenen Jahr und der Olympia-Pleite in Mailand lastet ein gewisserdruck auf seinen Schultern. Doch Kreis scheint unbeeindruckt.

Der coach blickt pragmatisch nach vorne
„Es ist Teil des Geschäfts“, erklärte Kreis im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). „Die Ergebnisse, das Auftreten der Mannschaft, das Leben unserer Werte und Identität – all das wird nach dem Turnier diskutiert und entschieden. Aber das beeinträchtigt mich jetzt nicht in meiner Arbeit, es belastet mich nicht heute. Ich mache das schon lange genug.“ Seine ruhige Reaktion deutet auf einen erfahrenen Coach hin, der sich der öffentlichen Aufmerksamkeit bewusst ist, aber nicht von ihr lähmen lässt.
Die Situation ist komplex. Nach dem sensationellen Gewinn der Silbermedaille in Tampere 2023 folgte ein deutlicher Leistungsabfall. Das Viertelfinale 2024 und das Vorrunden-Aus 2025 unterstreichen diesen Trend. Besonders schmerzlich war die Niederlage bei den Olympischen Spielen in Mailand gegen die Slowakei, wo die Mannschaft um Superstar Leon Draisaitl als vermeintlich „beste Nationalmannschaft aller Zeiten“ scheiterte.
Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Seit 2023 hat das Team nicht den erwarteten Fortschritt gezeigt. Kreis räumte dies ein, betonte aber: „Wir gehen jedes Jahr mit dem Ziel in die WM, das Viertelfinale zu erreichen und dann aufs Ganze zu gehen. Das hat sich nicht geändert.“
Ein wesentlicher Faktor für die kommende WM ist der Ausfall mehrerer Leistungsträger wie Draisaitl, Stützle und Peterka. Kreis setzt nun verstärkt auf die Mannschaftsleistung. „Ich habe das Gefühl, dass die Spieler das jetzt auch leben, es sind nicht nur beliebige Begriffe“, so der Coach. Die Tugenden Leidenschaft, Kampfgeist und Zusammenhalt sollen wieder in den Vordergrund rücken, nachdem sie in der Vergangenheit möglicherweise etwas „eingestaubt“ waren.
Die Erwartungen sind gedämpft, aber Kreis scheint bereit, die Herausforderung anzunehmen. Er weiß, dass die WM eine Chance ist, die Mannschaft neu zu formen und den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Ob es für eine Medaille reichen wird, bleibt abzuwarten, aber eines ist sicher: Harold Kreis wird sich nicht unterkriegen lassen.
