Italiens gebrauchtwagen-markt verschläft die e-mobilität

1,9 Prozent – das ist der kümmerliche Antrieb, mit dem Italiens Second-Hand-Markt in die Zukunft startet. Während Dänen vier von zehn Gebrauchten mit Stecker kaufen, bleibt der Stiefel auf der Strecke. Der Grund liegt nicht am Käufer, sondern am Staat.

Die bremse heißt politik

AutoUncle hat 3.000 Portale analysiert. Ergebnis: Zwischen Februar 2022 und Februar 2026 hat sich der E-Anteil beim italienischen Gebrauchten nur von 1,0 auf 1,9 Prozent erhöht. Deutschland legte in demselben Zeitraum von 1,4 auf 7,5 Prozent zu – Faktor fünf. Dänemark rast von 6,7 auf 40,9 Prozent. Was läuft schief?

Lo que nadie cuenta es: Die italische Förderung ist ein Flickenteppich. Ökobonus zwischen 3.000 und 5.000 Euro, im Jahr 2024 kurz hochgeschnellt auf 11.000 Euro – aber nur für Neuwagen. Der 2.000-Euro-Scheck für den Gebrauchten kam spät und wirkt wie ein Tropfen auf heißem Asphalt. Kein Wunder, dass die Preise für gebrauchte Stromer oben bleiben und die Nachfrage unten.

Die Gleichung ist simpel: Jedes geförderte Neufahrzeug wird morgen ein günstiger Gebrauchter. In Kopenhagen lockt seit 2016 eine Zulassungssteuer von nur 40 Prozent des Normalsatzes – 89.000 neue E-Autos rollten 2024 auf die Straße. Berlin verpulverte zehn Milliarden Euro Umweltbonus und kaufte sich damit 1,4 Millionen Batterien auf Rädern. Rom? Hält sich bedeckt.

Der preis des zögerns

Der preis des zögerns

Italienische Händler sitzen auf einem Berg von Diesel-Beständen, während die Nachfrage nach sauberen Gebrauchten im Ausland boomt. Die Folge: junge Gebrauchte wandern nach Nordeuropa ab, und der heimische Markt verharrt in der Nische. Wer heute in Mailand einen gebrauchten ID.3 sucht, zahlt mehr als in München – und bekommt weniger Förderung.

Die Zahl spricht für sich: Bei aktuellem Tempo braucht Italien bis 2040, um das deutsche Niveau von heute zu erreichen. Bis dahin sind die nordischen Länder längst komplett elektrisch – und Italiens Autobahnraststätten verkaufen die letzten Liter Biodiesel als Kultgetränk.