Georg koch ist tot: der aufstiegskönig, dem selbst der schlussstrich gelang

Georg Koch hat den letzten Elfmeter nicht mehr gehalten. Am Mittwoch verlor der Mann, der einst mit Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld und MSV Duisburg ins Oberhaus schoss, seinen Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er wurde 52 Jahre alt – und hinterlässt eine Lücke, die größer ist als jede Abwehr.

Von gladbach nach zagreb: ein torwart ohne furchtzone

213 Bundesliga-Einsätze, 165 in Liga zwei, 25 in Europa – die Zahlen lesen sich wie ein Lehrbuch über Beständigkeit. Doch Koch war mehr als Statistik. Er war der Typ Keeper, der beim Schneegestöber in Cottbus noch mit der Zunge schnalzte, weil er die Kälte liebte. Der in Amsterdam gegen Van Nistelrooy parierte und danach mit Eindhoven Fans Oranje-Popsongs pfeifen konnte.

Seine Handschrift war das Aufsteigen. 1995 mit Düsseldorf, 1999 mit Bielefeld, 2005 und 2007 mit Duisburg – jedes Mal schrie er sich die Kehle wund, bis der Rasen wieder Erstliga-Luft roch. MSV-Manager Uwe Klein erinnert sich: „Georg war kein Lautsprecher, aber wenn er ‚Jetzt reicht’s!‘ brüllte, wusste jeder: Entweder wir gewinnen, oder wir tragen ihn vom Feld.“

Der tag, an dem zagreb sein herz eroberte

Der tag, an dem zagreb sein herz eroberte

2008 packte er seine Fanghandschuhe in einen schwarzen Koffer und flog nach Kroatien. Dinamo Zagreb brauchte einen Routinier, Koch brauchte eine neue Herausforderung. Er bekam beides – plus Double. Meisterschale und Pokal in einem Jahr, danach feierten ihn die Fans mit einem eigenen Lied: „Koch, naš čuvar“, unser Hüter. Bis heute ist er der einzige Deutsche, der in Zagreb eine Statue im Fan-Shop stehen hat – aus Plastik, aber immerhin.

Nach der Karriere schlüpfte er in den Nadelstreifen-Anzug. Als Scout für Viktoria Köln suchte er Talente, bis der Krebs ihm die Stiefel auszog. September 2021 war sein letzter regulärer Arbeitstag. Drei Monate später diagnostizierten die Ärzte das Tumor-Komplott. Er zog sich zurück, beantwortete nur noch SMS von Weggefährten. „Ich habe 18 Jahre Profifußball überlebt, das schaffe ich auch“, schrieb er einem Co-Trainer. Er irrte sich leider nicht oft.

Am Mittwochmorgen um 6:41 Uhr erlosch sein Puls im Kölner Universitätsklinikum. Die Nachricht erreichte die Klubs per WhatsApp-Gruppe – innerhalb von Minuten wechselten die Profilbilder auf schwarz. Fortuna Düsseldorf wird am Samstag vor dem Heimspiel eine Schweigeminute einlegen, MSV Duisburg plant ein großes Choreo-Banner. Die Fans diskutieren bereits, ob die Nordkurve „Koch du alte Torwand“ skandiert – ein Spitzname, den er in der Kabine hasste, aber auf Twitter selbst postete.

Georg Koch bleibt 1,93 Meter groß – auf jeder Statistikseite, in jedem Aufstiegsvideo, in jedem Bauch jener Spieler, die vor ihm schossen und hinter ihm landeten. Seine Paraden sind Geschichte, seine Lacher noch nicht. Und wenn nächste Saison wieder ein Aufsteiger jubelt, wird irgendwo ein Fan rufen: „Der hat was von Koch!“ Dann weiß jeder, was gemeint ist: keine Furcht, kein Zurück, nur nach vorne – bis der Schlusspfiff kommt, endgültig.