Berliner kauft fußball-woche und will sie mit crowdfunding zurückholen
Die Fußball-Woche war tot – und ist jetzt plötzlich wieder da. Tino Loest, Vereinsboss aus Mahlsdorf, hat die Insolvenzmasse der legendären Berliner Amateurfußball-Bibel gekauft und plant den Relaunch per Crowdfunding schon im April. Kein Geld für die alte GmbH, keine Nostalgie-Nummer: Loest will die FuWo digital-first aufziehen und dafür sogar den Frauenfußball und die Icon League ins Boot holen.
Der schock kam per post
Loest erzählt, wie seine Mutter ihm die letzte Ausgabe ins Vereinsheim brachte. „Da stand dann ›Endgültig eingestellt‹ drauf. Für mich war das wie Weihnachten ohne Tannenbaum.“ Sein Vater sammelt die Hefte seit der Wende, 26 Jahre Eintracht Mahlsdorf hat er in einer Sonderausgabe verewigt. Als der Verlag pleiteging, habe niemand mehr geliefert – weder Informationen noch Hoffnung. „300.000 Euro für die Altlasten? Vergiss es.“ Also setzte er sich mit dem Insolvenzverwalter an einen Tisch und kaufte stattdessen Markenrechte, Archiv und Domain – für einen Preis, den er nicht nennt, aber „deutlich unter sechsstellig“ sein soll.
Die alte Redaktion ist Geschichte. Stattdessen sucht Loest jetzt „Fußball-Nerds, die Samstagabend lieber auf dem Sportplatz stehen als in der Bar“. Chefredakteure, TikTok-Editoren, Vereinsreporter – alles offen. Die Regionalliga wird zur „Bundesliga der FuWo“ erklärt, darunter kommt die Kreisliga A bis zum Berliner Pokal der Altherren. Print erscheint nur noch als Premium-Produkt: fünf Euro pro Heft, 60 Seiten, Hochglanz, keine Tagesaktualität. „Wer am Montag wissen will, wie sein Verein gespielt hat, soll das Handy zücken“, sagt Loest. „Das Heft liegt dann Samstags im Vereinsheim und wird gesammelt, nicht weggeworfen.“

Finanzierung über dfb, verbände und crowd
Die Rechnung ist knallhart: Online-Inhalte werden gratis, die App soll durch Werbebanner und Partnerzahlen der Berliner und Nordostdeutschen Fußballverbände leben. Dazu kommt eine Crowdfunding-Kampagne um Ostern – Ziel: 150.000 Euro für den Saisonstart. Bereits zugesagt hat ein Berliner Sportartikel-Händler, ein Brauerei-Gastronom und ein Krypto-Start-up, das seine Logo-Fläche auf dem digitalen Liveticker buchen will. „Wenn 3.000 Fußball-Fans je 50 Euro geben, sind wir startklar“, rechnet Loest vor. „Danach müssen wir beweisen, dass wir nicht nur Nostalgie verkaufen, sondern Zukunft.“
Los geht’s mit drei Sonderheften: eins über Frauenfußball, eins über die Icon League, eins mit der großen Berliner Vereinsumfrage. Danach erscheint die reguläre Ausgabe zum ersten Spieltag der Saison 2026/27 – falls der Crowd-Check klappt. Sonst bleibt die FuWo eben ein digitaler Geist. Loest zuckt mit den Schultern: „Dann war’s halt ein teures Hobby.“
Erste Testballons sind schon online: Ein Instagram-Kanal namens „fuwo_live“ spült 15-Sekunden-Clips von Kreisliga-Toren in die Timeline, dazu WhatsApp-Gruppen für jeden Berliner Bezirk. Binnen zwei Wochen kamen 12.000 Follower dazu – ohne Geld für Ads. „Die Community wächst schneller als unsere Server“, lacht Loest. „Das ist das echte Barometer.“
Am 15. April entscheidet sich, ob die FuWo wieder Papier riecht oder nur noch Pixel bleibt. Loest ist sich sicher: „Wenn wir scheitern, war’s trotzdem besser, als zuzuschauen, wie die Zeitung verrottet.“ Seine letzte Hoffnung: Dass genug Berliner Fußball-Fans bereit sind, für ihre Liga nicht nur zu schwätzen, sondern auch zu zahlen. Die Uhr läuft – und der Frühjahrsstart der Berliner Kreisliga ist nur noch acht Wochen entfernt.
