Genoa: wartezeit für spors-revolution endet abrupt

Genua – Johannes Spors, der Mann, der aus der statistischen Tiefe der Bundesliga geholt wurde, um den Fußball in Ligurien neu zu denken, hat Genua verlassen. Seine siebenmonatige Mission, die mit großen Erwartungen begann, endete jäh, und hinterlässt ein Vermächtnis aus verpassten Chancen und unkonventionellen Ideen.

Der datenspezialist und das italienische chaos

Spors, ein Produkt der statistischen Expertise Heidelbergs, kam im Herbst 2021 unter dem Dach von 777 Partners nach Genua. Er sollte die traditionelle Transferstrategie aufbrechen, mithilfe von Big Data und analytischen Modellen Talente identifizieren, die anderen entgingen. Doch seine Ankunft fiel in eine turbulente Zeit: Shevchenko übernahm das Traineramt, die Mannschaft war aufgebläht mit 35 Spielern, und die Stimmung am Boden.

Seine Arbeitsweise, geprägt von der Philosophie seines Mentors Helmut Gross und der Nähe zu Ralf Rangnick, war ungewöhnlich. Spors operierte weitgehend aus der Ferne, ein „Smart-Working“-Sportdirektor, der in virtuellen Marktplätzen nach Talenten suchte. Ein besonders kurioser Fall war die Geschichte eines vermeintlichen Stürmer-Juwels, dessen Fähigkeiten durch geschicktes Filmen übertrieben dargestellt wurden – Spors durchschauen konnte ihn sofort.

Doch es gab auch Lichtblicke. Spors’ Visionen reichten weit über den üblichen Transfermarkt hinaus. Er entwickelte ein innovatives Leihmodell für Piccoli, bei dem die Kosten umso geringer waren, je mehr der Spieler in der Liga zum Einsatz kam – ein „Cashback“-Deal, wie er ihn nannte. Und sein Gespür für Talent bewies sich bei der frühen Verpflichtung von Ostigard, der später für 2,5 Millionen Euro zurückgeholt wurde und mittlerweile ein Marktwert von über 20 Millionen Euro hat.

Verpasste chancen und gescheiterte trainerentlassungen

Verpasste chancen und gescheiterte trainerentlassungen

Trotz einiger vielversprechender Ansätze scheiterte Spors’ Projekt an den Umständen. Er versuchte, Rudi Garcia und Pal Dardai als Trainer zu gewinnen, beide aus dem Umfeld von Red Bull, doch die Verantwortlichen landeten stattdessen auf Blessin, ebenfalls ein Red Bull-Produkt. Die interne Umstrukturierung, die Spors zum Group Sporting Director für die gesamte 777-Gruppe erheben sollte, besiegelte sein Ende in Genua, bevor der Konkurs der amerikanischen Investoren alles noch komplizierter machte.

Neben den Transferaktivitäten hatte Spors auch andere Bereiche des Vereins modernisieren wollen, darunter die Ernährung und die psychologische Betreuung der Mannschaft. Doch all dies blieb unerfüllt. Seine Zeit in Genua war kurz, aber sie zeigte, dass der Fußball, selbst im digitalen Zeitalter, nicht allein durch Zahlen gesteuert werden kann.

Die Geschichte von Johannes Spors in Genua ist somit eine Lehrstunde: Ein brillanter Kopf, der an einem Ort strandete, der nicht reif für seine Ideen war. Ein Beweis dafür, dass auch die besten Algorithmen und Analysen nicht die menschliche Komplexität eines Fußballvereins ersetzen können. Und ein weiterer Grund, warum der Fußball immer ein Spiel der Emotionen und nicht nur der Daten bleibt.