Gelb-alarm in der super league: 53 spieler droht der saison-knockout

Die Meisterschaft ist noch nicht entschieden, doch für 53 Profis der Super League tickt eine Bombe. Eine weitere Gelbe Karte und sie müssen zuschauen – genau dann, wenn der Klub sie am dringendsten braucht.

Die Zahl kommt vom Liga-Office. Sie ist höher als in allen Vorjahren zur gleichen Stunde. Und sie trifft die Spitzenclubs besonders hart. Der FC Thun führt die Tabelle, könnte am Karsamstag vorzeitig Meister werden – und hat vier Schlüsselspieler auf Abruf ins Blocksitzungs-Café.

Thun trifft es vierfach – und den leader gerade recht

Leonardo Bertone, Kastriot Imeri, Nils Reichmuth, Christopher Ibayi: Vier Namen, die Trainer Carlos Bernegger in den letzten Trainingseinheiten wie rote Flaggen umkreisen lässt. „Wir reden nicht drumherum“, sagt Bernegger, „wer sich jetzt einen Blödsinn leistet, schadet der ganzen Mannschaft.“ Bertone, Mittelfeld-Motor und emotionaler Anführer, ist dabei das größte Risiko. Er holte sich seine vierte Gelbe bereits in der 88. Minute gegen Sion – wegen Reklamierens.

Die Statistik ist gnadenlos: Wer in den letzten zehn Jahren nach der 33. Runde noch auf Sperre stolperte, verlor in 68 Prozent der Fälle auch den nächsten Punkt. Für Thun wäre das mehr als ein Kratzer. Es wäre die Einladung für Young Boys und Sion, die nur zwei beziehungsweise drei Punkte hinter dem Leader lauern.

Luganos vorletzter hat sieben gelb-gefährdete – ein rekord

Luganos vorletzter hat sieben gelb-gefährdete – ein rekord

Nicht besser sieht es beim Tabellen-Vorletzten aus. Der FC Lugano reist mit sieben Damokles-Schwertern nach Basel: Amir Saipi, Damian Kelvin, Martim Marques, Uran Bislimi, Hicham Mahou, Georgios Koutsias, Kevin Behrens. Trainer Mattia Croci-Torti versuchte es mit Humor: „Ich sage ihnen, sie sollen den Ball lieben – aber nicht umarmen.“ Der Gag kam bei den Profis schlecht an. Zu sehr lastet der Abstiegsdruck. Lugano hat seit fünf Spielen nicht gewonnen, die letzte Niederlage gegen St. Gallen war die vierte in Folge mit genau 0:1.

Die Konsequenz: Wer gelbgefährdet ist, darf nicht mehr tacklingen wie in einer Vorbereitung. Genau das aber ist Luganos Markenzeichen. Die Mannschaft führt die Liga in Zweikampfverhältnis (56 Prozent) – und eben auch in Gelben Karten (71). Ein Teufelskreis.

Basel und sion profitieren vom engen kader

Basel und sion profitieren vom engen kader

Beim FC Basel ist die Situation ambivalent. Vier Spieler stehen vor der Sperre, aber Trainer Timo Schultz kann rotieren. Dominik Schmid, Leo Leroy, Ibrahim Salah und Benie Traoré sind zwar wichtig, doch mit Albian Ajeti wartet ein Ersatz-Stürmer, der in den letzten drei Partien als Joker zweimal traf. „Wir haben Qualität auf der Bank“, sagt Schultz, „aber wir haben auch Charakter im Kader. Wer jetzt clever spielt, wird von den Fans gefeiert.“

Der FC Sion nutzt die Krise als Chance. Kein Club hat so viele Gelb-gefährdete wie die Walliser – sechs an der Zahl. Doch Trainer Alain Geiger setzt auf kollektive Disziplin. In den letzten drei Trainingseinheiten übte man ausschließlich Ballbesitz unter Druck. Ergebnis: Keine einzige Gelbe in der Partie gegen YB. Geiger: „Wir wollen Geschichte schreiben, nicht im Kartonsammeln.“

Die ungeschriebene regel: wer jetzt rastet, der rostet

Die ungeschriebene regel: wer jetzt rastet, der rostet

Die Liga hat keine Sonderregel für die Endphase. Wer die fünfte Gelbe kassiert, sitzt automatisch. Die Clubs reagieren mit Psychologen, mit Videostudien, mit individuellen Anweisungen. Die Young Boys schicken ihre Profis zu einem Kommunikations-Coach, der sie lehrt, wie man den Schiedsrichter anschaut – ohne ihn anzufahren. Loris Benito, einziger Gelb-Gefährdeter bei YB, bestätigt: „Ein Blick kann Gelb bedeuten. Ich zähle bis drei, bevor ich den Arm hebe.“

Die Daten liefern den Beweis: In der Saison 2018/19 kassierte YB nach der 33. Runde noch vier Gelbe – und verlor die Meisterschaft gegen Lugano. Seitdem hat Sportchef Christoph Spycher ein internes Gelb-Monitoring. Jeder Spieler bekommt eine individuelle Warnkarte aufs Handy – inklusive Emoji, das weint, wenn die vierte Gelbe ansteht.

Am ende zählt nur, wer stehen bleibt

Am ende zählt nur, wer stehen bleibt

Die Super League spielt Poker. Mit offenen Karten. Die nächste Runde ist keine normale Runde, sie ist ein Selektionsmechanismus. Die einen wollen Europa, die anderen wollen bloß nicht in die Challenge League. Und 53 Profis wollen vor allem eins: nicht in der Kabine sitzen, wenn der Klub sie braucht.

Die Wette ist simpel. Wer jetzt denkt, riskiere. Wer denkt, verliert. Die Saison endet nicht mit dem Schlusspfiff. Sie endet mit dem letzten klugen Zweikampf. Oder mit dem nächsten Gelb. Die Uhr tickt. Die Bombe auch.