Geely rollt in spanien: 1000 km reichweite für 26.000 euro
Die chinesische Attacke auf europäische Straßen bekommt ein neues Gesicht – und dieses lächelt in Spanien besonders breit. Geely, bisher nur als Mutter von Volvo und Polestar bekannt, schickt sich an, mit eigener Marke und Preisen, die selbst Dacia blass aussehen lassen, den Markt aufzureißen.

Erst zwei modelle, dann neun – ein dreijahresplan ohne bremse
Los geht’s mit dem Starray EM-i, einem 4,74 m langen SUV-Plug-in, der dank 29,8-kWh-Batterie 184 km rein elektrisch schafft und danach mit 1,2-Liter-Dreizylinder weiterhilft. Ergebnis: 1.055 km Gesamtreichweite, ein Wert, für den deutsche Ingenieure noch Nachtschichten einlegen. Preis: 26.215 Euro mit Rabatt, 33.490 ohne – Spanien subventioniert gnadenlos. Der E5, rein elektrisch, 475 km WLTP, 100 kW Laderate, steht bei 27.485 Euro. Beide rollen ab sofort aus 20 initialen Showrooms, 100 sollen es bis 2027 sein. Die Logistik wickelt ein neu errichtetes Zentrallager in den Niederlanden ab, 98 Prozent Ersatzteilverfügbarkeit innerhalb von 24 Stunden versprochen.
Technisch setzt Geely auf altbekannte Rezepte: 15,4-Zoll-Touch, Head-up über 13 Zoll, 16-Lautsprecher-Sound, massagerer Hitze-Sessel – alles serienmäßig in der Max+-Version. Doch der Clou sitzt tiefer: eine Achtjahresgarantie auf Batterie und Auto bis 200.000 km plus drei Jahre Pannenhilfe. Europäische Marken verstecken sich hinter fünf Jahren.
Die Spanier fungieren als europäische Feuerwehr: neben UK, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden ist das Land Testlabor für ein Line-up, das bis 2028 neun Modelle umfasst – SUV, Limousine, Kompakt, alles elektrifiziert. Geely-Chef Li Shufu will mehr als nur Nischen: „Wir bauen keine Autos für Sammler, sondern für Pendler, die Rechnungen im Kopf haben.“
Die Rechnung geht auf. Die ersten 1.000 Käufer erhalten 0-Prozent-Finanzierung, drei Jahre Wartung und 4G-Connect samt OTA-Updates geschenkt. Netflix-Spaniens Hauptquartier in Madrid diente als Showbühne – symbolisch: wer Content liefert, beherrscht auch die Daten der Fahrzeuge.
Die europäische Autoindustrie schaut betroffen zu. Einerseits lobt man die Offensive, andererseits rechnet man intern: bei 26.000 Euro bleibt kaum Margenspielraum, selbst wenn Batteriezellen aus eigener Produktion stammen. Doch das ist Teil des Plans. Geely kaufte sich schon bei Volvo, Lotus und Zeekr ein – nun folgt der Frontangriff unter eigenem Namen.
Spanien wird zum Schlachtfeld. Die Nachfrage nach günstigen E-Autos explodiert, die Infrastruktur wächst rasant, und die Kaufprämien deckeln Preise, die anderswo utopisch wirken. Während deutsche Händler noch über Lieferzeiten klagen, hat Geely Ware auf dem Hof – und sie will weg. Die Devise lautet: lieber geringe Marge, dafür hohes Volumen. Die Zahlen sprechen: in China verkaufte Geely 2023 über 1,5 Millionen Fahrzeuge, Tendenz steigend.
Wer jetzt noch glaubt, chinesische Marken blieben in der Anbieter-Riege hinten, unterschätzt den Schwung. Geely bringt nicht nur Autos, sondern ein Ökosystem: Strom für die Börse, Daten für die Cloud, Kunden für die Marke. Und sie hat Zeit. Während europäische Konzerne noch heute diskutieren, ob 2035 zu früh kommt, fährt Geely schon morgen los – und zwar 1.000 Kilometer weit.
