Gaugisch schmeißt den em-kader durcheinander – drei weltmeisterinnen fliegen raus

Markus Gaugisch zündet die nächste Stufe. Der Bundestrainer nominiert 21 Spielerinnen für die Entscheidungswoche um die EM-Qualifikation – und verzichtet dabei auf Katharina Filter, Emily Vogel und Alexia Hauf. Drei Vize-Weltmeisterinnen sitzen zu Hause, während U19-Europameisterinnen wie Chiara Rohr oder Aylin Bornhardt direkt in die Tiefe geschickt werden.

Warum gaugisch jetzt rotiert

„Die wissen teilweise nicht mehr, in welchem Bus sie sitzen“, sagte er nach dem Sieg über Slowenien. Der Satz klang lapidar, ist aber Programm. Gaugisch will Last verteilen, frisches Blut testen und trotzdem gewinnen. Nordmazedonien am Dienstag in Skopje, Belgien am Sonntag in Hamm – zwei Spiele, zwei unterschiedliche Aufstellungen. Das Experiment kostet Erfahrung, spart aber Knie und Nerven für den Sommer.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: zwölf Vize-Weltmeisterinnen sind dabei, fünf U19-Europameisterinnen dazugekommen. Dazwischen ein Torhüterinnen-Duo, das vor drei Wochen noch in der 2. Bundesliga spielte – Marie Weiss und Laura Kuske bekommen 120 Minuten Länderspielluft, um sich für künfte Turniere zu empfehlen. Ein Quadratur des Kreises, der aber nur funktioniert, wenn die Punkte stimmen.

Dortmund statt dubai – die route der dhb-frauen

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Nach dem Rückflug aus Skopje geht’s nicht in ein Trainingslager ans Mittelmeer, sondern direkt nach Dortmund. Erstmalig seit der Heim-WM 2023 schlägt das Team wieder im Westen auf – und das ausgerechnet vor dem Spiel in Hamm, 20 Kilometer entfernt. Die Westpress Arena ist ausverkauft, 3.800 Fans warten auf das letzte Quali-Feuerchen. Für Anja Althaus ist das mehr als ein Termin: „Diese Woche ist ein Praktikum auf höchstem Niveau. Wer hier besteht, darf bleiben.“

Ein Schwesternduell wird es indes nicht geben. Munia Smits ist zurück in Belfort, Xenia Smits in Babypause. Die belgische Defensive verliert damit ihre Cheforganisatorin – ein Luxus, den sich Gaugisch leisten kann, weil seine Rotation bereits Torschützen wie Nina Engel und Viola Leuchter bereithält. Beide bekommen nur 60 Minuten Einsatzzeit, müssen aber treffen. Sonst wird aus dem Experiment schnell ein Eigentor.

Am Sonntag um 18:30 Uhr ist Schluss mit lustig. Dann zählt nur noch der Tabellenplatz – und die Frage, ob die jungen Wilden die Lücke der Routiniers bereits stopfen können. Gaugisch wetzt den Stift schon jetzt: „Wir wollen kurzfristig gewinnen, aber langfristig wissen, wer 2027 noch trägt.“ Die Antwort liefert nicht der Computer, sondern 60 Minuten Handball in Hamm. Danach steht fest, ob die Rotation Gold wert ist – oder nur ein Schnellschuss ins eigene Knie.