Gattuso übernimmt lazio – knallhartes comeback nach azzurri-debakle

Rom riss sich um ihn. Gennaro Gattuso antwortete mit einem knappen Nicken, unterschrieb, und schon brodelt die Kurve wieder. Nach nur 64 Tagen Abstinenz kehrt der 48-Jährige in die Serie A zurück – direkt auf den brisantesten Klubstuhl Italiens.

Ein trainer, zwei pleiten, null zeit zum atmen

Zwölf Woccks befand sich Gattuso auf der Insel. Juni bis April reichte, um Italiens Traum vom dritten WM-Titel zu begraben. Sechs Siege, zwei Niederlagen – die Zahlen schrien nicht, die Historie schon: drei Turniere in Folge, kein Ticket. Die Scudetto-Generation von 2006 vertrieb sich die Nächte damit, YouTube-Videos der EM 2020 zu schauen und zu fragen, wo der Faden gerissen ist. Gattuso trat zurück, nahm die Schuld auf sich, flog nach Split, um sich mit Hajduk-Fans zu fotografieren, und wartete auf das nächste Feuer.

Jetzt lodert es in Form von Olympique Lyon – äh, Entschuldigung, von Lazio Rom. Die Biancocelesti schmeißen seit März 2024 Trainer wie Wischtücher weg: Sarri raus, Tudor rein, Baroni fürs Finale der Verwirrung. Zwischendurch versanken die Buchhalter in FFP-Schulden, während Lotito laut Ultras „den Klub als persönliche Briefmarke“ nutzt. Die Südkurve kündigt den Dauerkartenboykott an, die Nordkurve überlegt noch. Perfekte Bühne für einen Mann, der schon in Neapel mit Napoli-Ultras rang und in Marseille Fans mit Baseballkappen besänftigte.

Ein lebenslauf voller pokale und prügel

Ein lebenslauf voller pokale und prügel

Sion, Palermo, OFI Kreta – die Stationen klingen wie eine Grand-Tour-de-Misere, doch jeder Verein hinterließ Narben und Lektionen. In Pisa feierte Gattuso den Aufstieg in die Serie B, im Milan holte er den Titel der Herzen und in Neapel 2020 den Pokal, der bis heute sein einziger großer Titel als Coach bleibt. Fiorentina, Valencia, Marseille: stets lautstark, stets kurz. Dazwischen die Nationalmannschaft, das Experiment, das scheitern musste.

Was bleibt, ist die Ader. Kein anderer Trainer in Europa provoziert so viele gelbe Karten auf der Bank wie Gattuso. Keiner schreit lauter, keiner umarmt dich danach fester. „Rino bringt Blut“, sagt Lotito und hofft, dass das Blut nicht seine eigenen Büroflure färbt.

Der kader – halb leer, halb giftig

Der kader – halb leer, halb giftig

Im Lazio-Kader schlummert noch immer das Talent, das Sarri kurz vor dem Burnout führte: Zaccagni dribbelt wie ein Wirbelwind, Guendouzi kämpft wie ein Berserker, Immobile schweigt und schießt. Doch die Registrierung neuer Spieler ist blockiert, die Kasse plündert. Gattuso muss improvisieren, muss jungen Wilden aus der Primavera den Weg frei machen oder alte Hasen neu erfinden. Ein Projekt, das nach Kontinuität schreit – und gerade deshalb einen Mann bekommt, der selten länger als 18 Monate bleibt.

Die Fans? Sie warten nicht mehr. Die ersten Sprühbilder tauchten schon auf: „Gattuso, Lotitos letzte Marionette?“ Andere sehen im Calabreser den einzigen, der den Präsidenten bei Laune halten kann, ohne die Kabine zu sprengen. Für beide Seiten gilt: Der erste Pfiff am Olimpico am 24. August wird laut. Entweder als Jubel oder als Pfeifkonzert, der Mittelpunkt heißt Gattuso.

Es ist das verrückteste Comeback des Sommers. Ein Trainer, der gescheitert ist, ein Klub, der sich selbst im Kreis dreht. Rom hat sich entschieden: Lieber rotieren als stagnieren. Ob der neue Tanzpartner die Musik bestimmt oder untergeht – das entscheidet sich schon in den ersten acht Spieltagen. Die Uhr tickt. Die Kurve singt. Gattuso prescht los.