Gattuso ruft 28 spieler – kein einziger vom ac mailand

Null von 28. Kein rotes Trikot, kein roter Blutzucker. Gattusos Nationalelf für die WM-Playoffs tritt ohne Milan-Spieler an – ein historischer Bruch, denn der Coach war einst das Symbol des Diavolo.

Der block ist tot

Der block ist tot

Früher lieferte der AC Mailand ganze Abwehrketten, jetzt liefert er nicht einmal einen Joker. In den 90ern trugen Costacurta, Baresi und Maldini das Azzurri-Trikot wie ein zweites Hautgewebe. Heute sitzt Leao zu Hause, Theo guckt Netflix, Tonali ist verletzt – und Gattuso muss mit Juve-, Inter- und Atalanta-Kräften planen.

Die Zahl ist lauter als jedes Kommunique: 28 Profis, 13 Vereine, 0 Milan. Dafür drei Juventini, zwei Nerazzurri, eine handvoll Bergamo-Falken. Die Fremdlegionäre haben San Siro verdrängt. Premier-League-Legionär Dimarco? Dabei. Giroud, Kroate aus London? Dabei. Aber kein rotes Wappen.

Gattuso selbst war die lebende Fahne des Milanismo. 2006 stemmte er den WM-Pokal – mit Milan-DNA unter den Fingernägeln. Jetzt winkt er 18 Jahre später, und seine eigene DNA ist aus dem Kader gewaschen. Das ist kein Stilbruch, das ist Identitätsverlust.

Die Folgen sind konkret: Weniger automatische Pässe, weniger ungeschriebenes Regelwerk. Stattdessen muss der Trainer Übersetzungsarbeit leisten, neue Codes erfinden. Die Italiener sind Experten für Notlösungen geworden – seit 2018 spielen sie jede Krise herunter, aber keine mehr hoch.

Am Donnerstag in Palermo gegen Nordmazedonien wird das Experiment laufen. Gewinnt die Squadra, fliegt niemand mehr hinterher, warum kein Rossonero dabei war. Verliert sie, wird genau das zum Skandal aufgemacht. Die Wette steht offen, die Rechnung auch.

Italien hat verlernt, sich selbst zu sein. Und Milan hat verlernt, Italien zu liefern.