Vendetta in leipzig: union berlin erwartet den gegenangriff der frauen von rb

Die Wunde ist noch frisch, das Gedächtnis kurz. Am 19. Oktober kassierten die RB-Frauen an der Alten Försterei eine 0:5-Packung, die bis heute nachschmerzt. Am Samstag, 16 Uhr, kehrt Union Berlin in den Cottaweg zurück – und Trainer Jonas Stephan setzt auf einen Begriff, der mehr ist als Motto: Vendetta.

Was in köpenick schiefging

7.771 Zuschauer, ein Sahnetag für Union, ein Albtraum für Leipzig. Die Leipzigerinnen agierten wie gelähmt, fanden keine Antwort auf den frühen Druck, verloren jede Linienkontrolle. Stephan spricht von „Details, die nicht gut genug waren“. Das ist gelinde ausgedrückt. Die Statistik spricht eine andere Sprache: 0 Torschüsse in der ersten Halbzeit, 38 % Passquote im Aufbau, drei individuelle Fehler direkt vor dem eigenen Tor. Kurz: ein Debakel, das sich in die Hirne brannte.

Seitdem ist viel passiert. Februar war der Monat der Wende: acht Punkte aus vier Spielen, keine Niederlage, das Mittelfeld erreicht. Sandra Starke formuliert es so: „Wir pushen uns jede Sekunde.“ Dahinter steckt ein System: Stephan schaltete auf 4-2-2-2 um, ließ die Sechser tiefer fallen und die Außenverteidiger nur noch selektiv nach vorne gehen. Die Folge: Gegner kamen nicht mehr in die halblinks/halbrechts-Zonen, aus denen Union im Oktober traf.

Personelle fragen und taktische finessen

Personelle fragen und taktische finessen

Giovanna Hofmann und Diana Nemeth fallen weiter aus, beide rekonstruieren ihre Kreuzbänder im Leistungszentrum. Dafür kehren Lena Goeßling und Vanessa Fudalla vom Länderspiel-Einsatz erholt zurück. Goeßlings Erfahrung könnte goldwert sein: 34 Jahre, 212 Bundesliga-Einsätze, ein Kopf, der in hitzigen Nachbarschaftsduellen nicht aneckt. Stephan wird sie wohl neben Starke auf der Doppel-Sechs aufbieten, um den Kreis um Torhüterin Lize Kop zu eng machen.

Union reist mit breiter Brust an, doch die Zahträume der Gäste sind längst bekannt: Die Berliner verlieren 63 % der Zweikämpfe im Mittelfeld, wenn sie nach Europa-League-Spieltagen am Donnerstag antreten. Genau das passiert diese Woche: Männer-EL am Donnerstagabend, Frauen-Buli am Samstagnachmittag. Ein Zeitfenster von 40 Stunden, das Leipzig ausnutzen will.

Warum dieses spiel mehr zählt als drei punkte

Warum dieses spiel mehr zählt als drei punkte

Die Tabelle ist erst der zweite Blick. Der erste geht auf die Psyche. RB will beweisen, dass die Oktober-Pleite ein Ausrutscher war, nicht die Regel. Union will zeigen, dass der 5:0-Sieg kein Lucky Punch war, sondern ein Statement. Dazwischen stehen 90 Minuten, in denen sich Leipzigs Saison erst richtig fängt oder Union die nächste Überraschung schafft. Stephan sagt es offen: „Wir haben noch eine Rechnung offen.“ Die wird am Samstag beglichen – mit Zinsen.