Funkel lockt der abstiegs-alarm: „ich hab bock, aber keiner ruft an“

Friedhelm Funkel sitzt in seinem Wohnzimmer, 72 Jahre alt, 1400 Pflichtspiele im Rücken – und wartet. Nicht auf Rentenanträge, sondern auf den nächsten Notruf aus der Bundesliga. „Ich muss das nicht mehr machen, aber ich habe noch Spaß daran“, sagt er. Die Tabelle liefert täglich neue Brandherde. Funkel hält die Leiter bereit. Keiner klingelt.

Der anruf aus bochum kam – und ging

Herbst 2023, VfL Bochum siecht auf Platz 17. Sportchef Geschäftsführer Schönock wählt die Notfallnummer. Funkel hört sich die Lage an, schüttelt den Kopf. „Ich glaubte nicht an den Kader“, gibt er jetzt zu. Er lehnt ab, Hecking kommt, Bochum sinkt trotzdem. Die Szene ist ein Lehrstück über Funkels einzige Bedingung: keine Selbstaufgabe. Rettung nur, wenn Rettung möglich ist.

Die gleiche Kalkulation bremst ihn heute. Köln wankt, der FC sucht einen Ideengeber. Funkel kennt die Rhein-Metropole, 2021 schoss er mit dem 5:1 gegen Kiel den Club in die Relegation und ließ ihn dort. Die Rufnummer ist bekannt. „Mich hat noch keiner angerufen“, sagt er knapp. Kein Vorwurf, nur Feststellung. Die Liga hasst den Blick in den Rückspiegel.

Warum hecking in wolfsburg nur noch fünf siege retten kann

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Funkel schaut trotzdem nach vorn. Sein Kumpel Dieter Hecking versucht gerade das Kunststück in Wolfsburg, aus fünf Siegen in 25 Spielen fünf weitere in den restlichen neun zu zimmern. „Ich traue das Dieter zu, aber es wird sehr, sehr schwer“, sagt Funkel und lacht nicht. Er kennt die Zahlen. 14 Punkte Rückstand auf Platz 15, acht Teams dazwischen. „Da fehlt mir die Fantasie.“

Was helfen könnte? Weniger PowerPoint, mehr Psyche. „Den Spielern muss man Entscheidungsfreiheit lassen“, fordert er. In Krisen seien Trainer vor allem Menschenkenner, nicht Taktiknerds. Funkel selbst war das stets: ein Mann fürs grobe Klima, für Kabinengespräche bei offenem Fenster, für die Frage: „Willst du runter, oder willst du kämpfen?“

Die Antwort kennt er schon. Er wartet auf den Anruf. Die Bundesliga brennt – und Funkel trägt noch immer die Schutzkleidung.