Füchse jagen gruppensieg – krickau spürt dänische pfeife schon im nacken

18.45 Uhr in Aalborg, Mikrofone auf Stufe zehn: Die Füchse Berlin können heute mit einem Sieg die Gruppenphase der Handball-Champions-League als Erster abschließen. Der Deutsche Meister trifft im Jutland auf den dänischen Vizemeister, beide Klubs sind bereits fürs Viertelfinale gebucht – jetzt geht’s nur noch um die Tabellenkrone und das letzte Stück Selbstwirksamkeit vor dem Winter.

Krickau kehrt in die wiege seiner trainerkarriere zurück

Nicolej Krickau fliegt heute nach Hause, und das nicht zum ersten Mal. Vor acht Jahren stand er bei GOG Gudme an der Linie, nur 40 Kilometer von der Aalborg Arena entfernt. Die Fans erinnern sich, die Pfeifen werden laut. „Ich freue mich drauf“, sagt der 39-Jährige mit diesem entspannten Unterton, den nur Menschen haben, die wissen, dass sie früher oder später ohnehin gewinnen. Sein Selbstvertrauen gründet auf Zahlen: Berlin ist seit drei Spielen ungeschlagen, hat gegen die Löwen die alte Intensität wiederentdeckt und kassierte in der Defensive nur noch 24 Gegentore – der beste Wert seit Wochen.

Dennoch warnt Krickau vor dem Gegner, der seit dem 28:31 in der Berliner Max-Schmeling-Halle eine beeindruckende Serie hingelegt hat. „Aalborg hat sich komplett neu erfunden“, sagt er und meint damit nicht nur die Verjüngung der Rückraumachse, sondern auch die Rückkehr zum schnellen Umschaltspiel, das Trainer Stefan Madsen in Skandinavien zum Markenzeichen erhob. Die Statistik bestätigt: Aalborg gewann fünf der letzten sechs Pflichtspiele, unterlag nur knapp in Lissabon. Wer jetzt auf alten Scoutingberichten ausruht, verliert.

Die kleinen unterschiede, die heute zählen

Die kleinen unterschiede, die heute zählen

Die Füchse reisen ohne Druck, aber mit Anspruch. Sie wollen beweisen, dass die Heimpleite gegen Kielce nur ein Ausrutscher war und nicht der Beginn eines Wintertiefs. Dafür muss vor allem die zweite Welle laufen. Härtetest für Matías Gíselsson und Hans Lindberg: Beide Kreisläufer müssen gegen die dänische 6-0-Deckung Lücken finden, ohne dabei das Tempo zu verlieren. Schlüsselduell ist aber die Mitte: Lukas Jørgensen trifft in dieser Saison mit 67 Prozent – nur Melvyn Richardson wirft effizienter. Wer den Kreisläufer früh stoppt, stoppt Aalborg.

Personell kann Krickau auf Paul Drux bauen, dessen Sprunggelenk nach der Länderspielpause endlich wieder belastbar ist. Fehlen werden Mijajlo Marsenić (Kapselriss) und Jacob Holm, der nach seiner Schulter-OP noch Individualtraining absolviert. Dafür kehrt Fabian Wiede in den Kader zurück – ein Plus an Tempo und Übersicht, gerade wenn Aalborg mit Julius Jørgensen und Felix Claar auf Speed setzt.

Tv-notiz: die partie, die kein free-tv zeigt

Tv-notiz: die partie, die kein free-tv zeigt

Wer das Duell verfolgen will, braucht ein Abo. Dyn beginnt um 18.35 Uhr mit der Vorberichterstattung, DAZN schaltet sich punkt 18.45 Uhr live ein. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bleibt außen vor – ein Vorgang, der in Deutschland mittlerweile Routine ist, in Skandinavien aber für hitzige Debatten sorgt. Dänische Fans boykottierten in der Vorwoche bereits Streaming-Dienste und organisierten Public-Viewing in der Aalborg City. Ob Berlin mit ähnlicher Kreativität antwortet, bleibt offen.

Die Füchse wissen: Ein Sieg heute nicht nur locker den Gruppensieg, sondern verschafft ihnen im Viertelfinale eine theoretische Heimrecht-Option. Die EHF belohnt Gruppenerste mit Hinspiel auswärts, Rückspiel daheim. Das klingt nach Luxus, kann im Mai den Unterschied zwischen Halbfinale und vorzeitiger Sommerpause bedeuten. Deshalb fliegt Krickau heute nicht als Heimkehrer, sondern als Jäger. Die Pfeifen werden laut, das weiß er. Seine Antwort: 60 Minuten Handball, danach rief der Gruppensieg – oder das nackte Schweigen der dänischen Kurve.