Füchse gegen bhc: der pokal kreist im hexenkessel von köln
Köln – 18.750 Menschen warten in der Lanxess Arena darauf, dass ein Traum platzt. Um 15.45 Uhr wirft der Bergische HC gegen die Füchse Berlin den Ball zum Finale ein. 60 Minuten trennen den Außenseiter vom größten Coup der Pokalgeschichte, 60 Minuten trennen die Berliner vom zweiten Titel innerhalb von zwölf Monaten.
Magdeburgs albtraum war erst der anfang
Was am Samstagabend passierte, schwappt noch durch die Gänge. SC Magdeburg, Champions-League-Sieger, Europas Maß aller Dinge, kassierte im Siebenmeterwerfen eine Klatsche gegen den Aufsteiger aus Solingen-Wuppertal. 4:6 vom Punkt, 27:29 am Ende. Die SCM-Stars standen mit offenen Mündern da, als hätte jemand das Regelwerk umgeschrieben. Für den BHC war es das zweite Wunder binnen drei Wochen – nach dem Achtelfinale gegen Flensburg nun auch das Halbfinale gegen den CL-König.
Die Füchse hingen zwischenzeitlich in einem anderen Film. Gegen Lemgo reichte eine halbe Stunde, um die Partie zu drehen, 31:26 stand es, als Schlusspfiff ertönte. Trainer Jaron Siewert rotierte früh, ließ Gidsel & Co. kurz vor dem Finale durchschnaufen. Die Belastungskurve ist ein Programm – Berlin will den Pokal, nicht nur das Finale.

Hanning trägt schuhe, die ihn an die wand malen
Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse, schlenderte am Sonntagmorgen durchs Foyer im Radisson Blu. Bunter Dschungel-Pulli, knallgrüne Sneaker – ein Geschenk von Fans, die ihn vor dem Hotel abgefangen hatten. „Damit du mal Farbe in dein Leben bringst“, hatten sie gesagt. Hanning lachte, aber die Augen waren aufgerissen. Er weiß: Heute entscheidet sich, ob die Saison großgeschrieben wird oder nur ein Nebensatz bleibt.
Im Nebenraum lagen Lauro Pichiri und Arian Ebrahimchel auf Matte und Bank. Letzte Löcher für die Oberschenkel, letzte Triggerpunkte für die Schultern. Die Uhr tickte, 13.30 Uhr sollte der Bus rollen. Draußen auf dem Hotelflur kickten Aron Seesing und Belal Masoud mit einem Softball – ein Fußballrondo als Handball-Aufwärmung. Entspannt? Nur auf den ersten Blick.

Die siebenmeter-angst folgt dem favoriten
Magdeburg muss sich jetzt mit Platz drei begnügen, doch die Lektion ist auch für Berlin eine Warnung. Der BHC traf alle seine Würfe vom Punkt, Magdeburg nur die Hälfte. Nerven sind im Finale ein eigenes Spielgerät. Die Füchse haben mit David Späth einen Schlussmann, der in diesem Wettbewerb noch keinen Siebenmeter kassiert hat – drei gehalten, zwei daneben. Aber Zahlen zählen nur, bis der erste Pfiff ertönt.
Die Kölner Arena ist ein Hexenkessel, die Anfeuerungsrufe der BHC-Fans klingen wie ein Trommelwirbel. 4.000 Mitgereiste aus dem Bergischen Land haben sich Karten gesichert, dazu kommen neutrale Zuschauer, die einfach nur das nächste Wunder sehen wollen. Die Füchse haben Erfahrung, sie haben Qualität, sie haben den Druck. Der BHC hat nichts zu verlieren – und das ist die größte Waffe.
Um 18.30 Uhr wird entweder Bob Hanning in seinem bunten Pulli über den Parkett tanzen oder der BHC wird Geschichte schreiben. Dann wissen wir, ob Magdeburgs Sturz nur ein Ausrutscher war oder der Beginn einer neuen Ära. Die Uhr läuft. Köln wartet. Der Pokal funkelt bereits in der Mitte des Spielfelds – und er neigt sich heute leicht nach Norden.
