Fsv schöningen: aufstiegskandidat mit herz – und rassismus-vorfall!

Schöningen – Die FSV Schöningen hat im Abstiegskampf der Regionalliga Nord überrascht und sich eine komfortable Position erarbeitet. Doch der jüngste Sieg gegen Hannover II wirft einen bitteren Schatten: ein rassistischer Ausruf eines Zuschauers sorgte für Entsetzen. Kann sich das Team von Christian Benbennek davon verabschieden?

Lob vom gegner, zweifel des präsidenten

Die Leistung gegen Hannover II wurde von allen Seiten gewürdigt. Sogar der Sportliche Leiter der 96er zeigte sich beeindruckt: „Das war von euch wie ein gestandener Regionalligist!“, so Karsten Kräcker, Präsident der FSV Schöningen, über das Gespräch nach dem Spiel. Die Mannschaft hatte kaum Chancen zugelassen und eiskalt kontert. Ein Kompliment, das in dieser Form kaum besser hätte ausfallen können – besonders für einen Aufsteiger. Die Anerkennung kam von Achim Sarstedt, einer Person, deren Erfahrung im deutschen Fußball unbestritten ist. Seine lange Karriere als Co-Trainer unter Volker Finke beim SC Freiburg, die Leitung der Nachwuchsabteilung beim VfL Wolfsburg und aktuell die Position als Sportchef der U 23 von Hannover 96 sprechen für sich.

Der Doppelspieltag an Ostern war eine Zerreißprobe, die das Team jedoch meisterhaft bestand. Nach der knappen Niederlage gegen den Tabellenführer SV Meppen (0:1) gelang der FSV der Sieg gegen die starke Reserve von 96 (3:1). Kräcker zeigt sich ambivalent: „Fußball ist kein Eiskunstlauf, da gibt es keine Haltungsnoten, sondern einen Sieg oder eine Niederlage. Aber die Jungs haben das richtig gut gemacht. Meppen ist das Schwergewicht der Liga, und wir haben sogar einen Punkt mitnehmen können.“

Rekordkulisse und bittere realität

Rekordkulisse und bittere realität

Das Spiel gegen Hannover II ging als besonderer Moment in die Vereinschronik ein. Die Rekordkulisse von über 1500 Zuschauern schuf eine Atmosphäre, wie sie Schöningen selten erlebt hat. Kräcker schwärmt: „Was wir da hingekriegt haben, das ist schon überragend.“ Der Kontrast zum Ostersonntag, an dem nur noch knapp 500 Zuschauer ins Elm-Stadion kamen, war deutlich spürbar. „Das Wetter war schlecht“, erklärt Kräcker, „aber wir haben gewonnen.“

Rassismusvorfall: null toleranz

Rassismusvorfall: null toleranz

Doch der Triumph wurde jäh getrübt. Ein Zuschauer beleidigte Montell Ndikom von Hannover II mit rassistischen Äußerungen. Die FSV Schöningen distanzierte sich umgehend und verurteilte den Vorfall scharf. Der betreffende Zuschauer wurde aufgefordert, das Stadion zu verlassen – ein Schritt, der von Spielern und Zuschauern gleichermaßen mit Applaus gewürdigt wurde. Dieser Vorfall ist ein Schlag ins Gesicht für den gesamten Verein und zeigt, dass der Kampf gegen Rassismus noch lange nicht gewonnen ist.

Konzentration statt selbstzufriedenheit

Konzentration statt selbstzufriedenheit

Trotz des komfortablen Vorsprungs in der Tabelle warnt Kräcker vor Selbstzufriedenheit: „Wir dürfen jetzt bloß nicht den Fehler machen, zu sagen, ja, sieht ja gut aus.“ Die kommenden Spiele gegen Altona, Lohne und Norderstedt sind entscheidend im Kampf um den Klassenerhalt. Trainer Benbennek sieht die Aufgabe klar: „Das sind drei extrem wichtige Spiele, wenn du die ziehst für dich oder nicht verlierst, dann hast du eine Top-Ausgangssituation.“

Die hohe Belastung stellt die Mannschaft vor eine Herausforderung. „Wir haben zwar Profi-Erfahrung, aber unter diesen Bedingungen sind wir keine Profi-Mannschaft“, erklärt Benbennek. Trotzdem bleibt die Mannschaft fokussiert und motiviert. „Ich will eine hungrigere Mannschaft“, fordert Benbennek. „Wir haben ein Ziel, wir wollen die Klasse halten.“