Fricke zerreißt neuen sportfördergesetz-entwurf: „politik behält sich das letzte wort“

Otto Fricke schlägt mit der Faust auf den Tisch – und das, obwohl das Bundeskabinett gerade erst grünes Licht für das Sportfördergesetz gegeben hat. Der DOSV-Chef sieht im überarbeiteten Entwurf immer noch ein Machtgefüge, das den organisierten Sport zur Geisel der Politik macht.

Stiftungsrat bleibt einseitig besetzt

Die Rechnung ist denkbar simpel: sechs Politiker, drei Sportfunktionäre. Wer die Mittel verteilt, entscheidet damit über Trainingslager, Nachwuchsstützpunkte, Psychologenverträge. Fricke: „Eine Zweidrittel-Mehrheit der Politik ist keine Augenhöhe, das ist ein Kontrollinstrument.“ Die Spitzensportagentur soll künftig bis zu 200 Millionen Euro jährlich verwalten – und könnte nach dem Willen des Gesetzgebers auf Diät gesetzt werden, sobald die Medaillenausbeute sinkt.

Der Bundestag und der Bundesrat stehen noch aus. Fricke kündigt an, dem Kanzleramt eine detaillierte Kritikliste zu liefern. Der Zeitplan ist eng: Bereits im Mai will Sportministerin Schenderlein erste Förderbescheide unterzeichnen. Der DOSV rechnet intern mit Korrekturen, sonst droht ein Verfassungsvorbehalt.

Schenderleins eigentor nach mailand 2026

Schenderleins eigentor nach mailand 2026

Die Deutschen verließen die Winterspiele in Mailand mit neun Medaillen – das schlechteste Ergebnis seit 1998. Schenderlein interpretierte das Debakel als „Handlungsauftrag“. Fricke kontert: „Dieser Auftrag gilt auch der Politik. Wir lassen uns nicht länger als Bittsteller behandeln.“

Der DOSV fordert eine paritätische Besetzung des Stiftungsrats und ein Vetorecht für die Verbände, wenn Fördermittel umgeschichtet werden. Sonst, so Fricke, „verabschieden wir uns vom Selbstverwaltungsgebot des Sports“. Das wäre nicht nur ein Eigentor für Schenderlein, sondern ein Rückpass ins ausgehende 20. Jahrhundert.

Die nächste Woche zeigt, ob der Koalition die sportliche Empörung wichtiger ist als die parlamentarische Mehrheit. Die Athleten haben bereits ihre Stoppuhren gestartet.