Hamburg spuckt auf olympia: 50 % lehnen ab – und das ist erst der anfang
Hamburg will 2036, 2040 oder 2044 Olympische Spiele – die Bürger sagen: lieber nicht. 50 Prozent der Hanseaten bewerten eine erneute Bewerbung laut Infratest-dimap-Umfrage als „eher schlecht“. Nur 41 Prozent winken durch. Die Stadt, die 2015 schon einmal per Volksentscheid Nein sagte, steht vor dem nächsten Debakel.
Die zahlen, die den senat wachrütteln müssen
Die Skepsis ist breit, sie ist weiblich, sie ist alt. Hamburgerinnen lehnen mit 52 Prozent ab, Männer mit 48. In der Gruppe 65+ kratzt die Ablehnung an 55 Prozent. Die Jungen? Die spalten sich fast mitten durch – 45 Prozent dafür, 41 Prozent dagegen. Kein Zittern, keine Begeisterung, nur ein müdes Ach.
Die Parteien zeigen das Bild der gespaltenen Stadt. SPD-Anhänger träumen weiter: 57 Prozent wollen Olympia. Grüne, AfD, Linke? Sie schütteln den Kopf – 53, 57, 72 Prozent Ablehnung. Die CDU tanzt auf der Kippe: 50 zu 45. Die Regierung fährt also mit angezogener Handbremse in die Kampagne.

Millarden-angst frisst olympia-traum
Warum? Ganz einfach: 79 Prozent der Kritiker fürchten horrende Kosten, die woanders fehlen. 46 Prozent glauben an sinnlosen Betonwahn, 41 Prozent an Touristenlawinen und Stau bis nach Lübeck. 34 Prozent wittern die nächste Mietexplosion, 24 Prozent Security-Albträume. Die Befürworter dagegen hoffen auf frische S-Bahnen, sanierte Sportparks und ein bisschen Welthandshake. 54 Prozent nennen Verkehr, 49 Prozent Wirtschaft, 46 Prozent Imagegewinn. Hoffnung gegen Horror – 9 Prozent Vorsprung für die Angst.
Der Vergleich mit den Mitbewerbern tut ein Übriges. Nordrhein-Westfalen feiert 57 Prosten Zuspruch, Berlin holte letztes Jahr 46 Prozent, München schaffte im Oktober 66. Hamburg liegt abgeschlagen im Keller – und das, obwohl der Termin für den Volksentscheid am 31. Mai erst in zwei Monaten steht.

Der millerntor-knacks
Dabei war Hamburg einst die Stadt, die sich gern selbst als Sportnation inszenierte. Doch seit 2015 klebt der Volksentscheid an der Elbe wie ein böses Tattoo. Der Senat um Bürgermeister Peter Tschentscher verspricht diesmal Transparenz, Bürgerbeteiligung, Nachhaltigkeit. Die Wähler hören nur: Milliarden. Und sie erinnern sich an die G8-Gipfel-Chaosjahre, an die Elbphilharmonie, an jedes zweite Großprojekt, das teurer wurde als versprochen.
Die Olympia-Gegner sind längst kein wütender Mob mehr. Es sind Lehrerinnen, Anwälte, Rentner, Fußballfans vom Millerntor, die Sorgfalts-Kalkulationen auf Twitter teilen. Sie haben die Zahlen parat: Atlanta 1996 – 1,7 Milliarden. Athen 2004 – 9 Milliarden. Rio 2016 – 13 Milliarden. Paris 2024 – bereits 9 Milliarden, Tendenz steigend. Die Devise: „Lieber 500 Kleinfelder erhalten als ein Stadion für drei Wochen.“
Die uhr tickt – und der kopfstand beginnt
Die Kampagnenchefs der Initiative „Hamburg 2036+“ wissen: Sie müssen die Angst in Hoffnung verwandeln, bis zum 31. Mai. Drei Monate, um 9 Prozentpunkte aufzuholen. Drei Monate, um Frauen über 50 zu überzeugen, um Grünwähler vom Gegenpol zu lösen, um die eigene SPD-Basis zu mobilisieren. Die Gegner dagegen müssen nur ihre Skepsis wachhalten. Kein schweres Geschäft, wenn die erste Rechnung vom Flughafen kommt.
Die Botschaft ist klar: Hamburg kann sich Olympia leisten – aber offenbar nicht verkaufen. Und wenn am 1. Juni die Stimmen gezählt sind, steht die Stadt erneut da, wo sie 2015 schon stand: mit einem Nein, das diesmal vielleicht endgültig ist. Der Sportexperte in mir mag die Spiele, der Hamburger in mir kennt die Rechnung. Sie beginnt mit 50 Prozent und endet mit einer Null, die kein Senator wegdiskutieren kann.
