Freiburg jagt den nächsten knockout – diesmal gegen st. pauli

Nur 72 Stunden nach dem historischen 5:1 gegen Genk steht der SC Freiburg schon wieder auf Abruf. Am Millerntor wartet kein Jubel, sondern ein Abstiegskandidat mit Biss. Julian Schuster warnt: „Die Jungs werden alles reinhauen.“

Die angst vor dem auswärtsfluch

Die Zahlen sind einsehbar brutal: seit dem 20. Dezember hat Freiburg außerhalb des Schwarzwald-Stadions kein einziges Mal jubeln dürfen. Sieben Mal gingen die Breisgauer leer aus, dreimal ohne eigenen Treffer. Selbst das 2:2 in Augsburg wirkt wie ein Trostpflaster auf offener Wunde. Maximilian Eggestein, der mit seinem Spitzentreffer gegen die Belgier für den Schlusspunkt sorgte, redet das Problem klein: „Wir wissen, wo wir stehen – und wir wissen, wie wir es ändern.“

Die Physis stimmt. Die Länderspielpause danach wirkt wie ein Leuchtfeuer: wer am Sonntag Gas gibt, darf danach zwei Wochen durchatmen. Schuster nennt das „Kopf-Konjunktur“. Sein Kader reist ohne Nachspielzeiten an, ohne Verlängerungskrater, dafür mit einer Portion Selbstvertrauen, die in Wolfsburg zuletzt Weihnachten leuchtete.

Matanovic zurück im kiez – mit dicker naht und extra motivation

Matanovic zurück im kiez – mit dicker naht und extra motivation

Igor Matanovic kennt jeden Zentimeter des Millerntor-Rasens. Von 2010 bis 2023 trug er das braune Trikot, trainierte neben dem Legendenviertel, wo die Fans bis heute seine ersten Schritte als Knirps feiern. Jetzt kommt er als Angreifer des Gegners – mit fünf Stichen oberhalb des Auges, die ihn an die Härte der Liga erinnern. „Ich werde nicht freundlich sein, das verspreche ich“, sagt er und lächelt dabei kurz. Die Kiezkicker stecken im Abstiegssumpf, haben unter Alexander Blessin wieder zu rudern begonnen. Für sie ist jeder Punkt Lebensversicherung, für Freiburg nur der nächste Schritt Richtung Europa.

Vincenzo Grifo, der mit seinem Treffer gegen Genk zum Rekordtorschützen des Klubs wurde, steht vor seinem 300. Bundesligaeinsatz. Er braucht keine Statistik, um zu wissen, dass nur ein Sieg zählt. „Wenn wir nicht liefern, war Genk nur ein schönes Foto“, sagt er knapp.

Schuster bleibt gelassen. Er weiß, dass sein Team in brenzligen Phasen umschalten kann – sie haben es gegen Union Berlin bewiesen, gegen Genk perfektioniert. „Ich wäre enttäuscht, wenn wir ohne blaue Flecken nach Hause kämen“, sagt er und meint damit: Geist und Körper müssen brennen, sonst verglüht die Europa-League-Euphorie im Hamburger Nieselregen.

Die Rechnung ist einfach: Sieg in St. Pauli und Freiburg springt vorübergehend auf Platz vier – ein Verlust, und die Auswärtsmisere wird zur Mentalitätsfrage. Um 17.30 Uhr rollt der Ball, um 19.15 Uhr weiß der SC, ob die Geschichte vom Donnerstag nur ein Kapitel bleibt oder der Auftakt zu einem Endspiel-Marathon.