Frauen-bundesliga: tradition geht, kommerzialisierung kommt!

Ein Erdbeben erschüttert den deutschen Frauenfußball: Mit dem Abstieg von SGS Essen ist der letzte Traditionsverein aus der Frauen-Bundesliga verschwunden. Eine Entwicklung, die nicht nur Fans schockiert, sondern auch die Frage aufwirft, wohin die Reise im deutschen Frauenfußball wirklich geht – in eine glorreiche Zukunft oder in eine von Profitgier dominierte Liga?

Die ära der reinen frauenvereine ist vorbei

Nach 22 Jahren in der höchsten Spielklasse muss sich Essen in der zweiten Liga neu orientieren. Ein bitterer Abschied, der die Debatte um die Zukunft des Frauenfußballs neu entfacht. Denn mit Essen geht ein Stück Geschichte verloren – die Ära der Vereine, die sich ausschließlich dem Frauenfußball verschrieben haben. Vereine wie Turbine Potsdam und Jena mussten bereits zuvor den Weg in die unteren Ligen antreten. Die neue Regelung, die eine Anbindung an einen Männer-Profiklub zwingend macht, hat ihre bittere Ernte gesät.

Die DFL-Lizenzordnung verlangt nun, dass Frauen- und Mädchenmannschaften entweder zu einem Lizenzverein der Männer gehören oder eine Kooperationsvereinbarung vorweisen können. Eine Entscheidung, die von DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich als „Entwicklung sehenden Auges“ bezeichnet wird, obwohl sie die Leistungen von Essen als Ausbildungsverein würdigt. „Auch das ist Markt“, so Ullrich – ein nüchterner Kommentar, der die Realität des modernen Fußballs widerspiegelt.

Fehlende investitionen und ein „wilder westen“

Fehlende investitionen und ein „wilder westen“

Kathrin Längert, ehemalige Nationalspielerin, kritisiert die mangelnde finanzielle Unterstützung für die Frauenvereine. „Kaum relevante Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen über fast 30 Jahre hinweg“ – das ist die bittere Wahrheit. Sie wirft dem DFB vor, eine Liga geschaffen zu haben, die eher an den „Wilden Westen“ erinnerte, in der Leistung und Ausbildung allein nicht zum Überleben reichten. Schulterklopfen allein füllt keine Stadien und zahlt keine Gehälter.

Ironischerweise steigen nun der VfB Stuttgart und der 1. FSV Mainz 05 in die Bundesliga auf – Vereine, die sich erst spät dem Frauenfußball zugewandt haben. Während Stuttgart den Aufstieg offen anstrebte, kam der Wille in Mainz vor allem aus einem Team, das sich auch in schwierigen Zeiten nicht geschlagen gegeben hat. Der SC Sand, ein Verein mit langer Tradition im Frauenfußball, wurde dabei überholt – ein deutliches Zeichen für den Strukturwandel.

Die fbl e.v. sucht ihren weg

Die fbl e.v. sucht ihren weg

Die neu gegründete Frauen-Bundesliga FBL e.V. hat im Februar entschieden, einen Grundlagenvertrag mit dem DFB anzustreben, anstatt ein Joint Venture zu gründen. Eine Entscheidung, die noch von einem außerordentlichen Bundestag abgetrennt werden muss. Die Vereine planen Investitionen in Millionenhöhe, doch die Frage ist, ob diese Investitionen tatsächlich die richtigen Klubs erreichen – die, die den deutschen Frauenfußball einst geprägt haben.

Katja Kraus, eine Stimme der Diversitäts-Initiative „Fußball kann mehr“, betont die Bedeutung von Vereinen wie dem FC Viktoria Berlin für die Attraktivität der Liga. „Projekte wie diese bereichern den Wettbewerb ungemein“, sagt sie. Doch der Verlust der Traditionsvereine wie Essen wiegt schwer. Denn mit ihnen verlässt auch die Historie, die Tradition und das Alleinstellungsmerkmal des Frauenfußballs die erste Liga.

Die SGS Essen hat über die Jahre Nationalspielerinnen am Fließband produziert – Nicole Anyomi, Lea Schüller und Lena Oberdorf sind nur einige Beispiele. Dass diese Klubs nun außen vor bleiben, während Millionen in die Liga fließen, ist für viele ein unverdunster Schmerz. Der Frauenfußball muss neue Wege finden, um sich zu finanzieren – auch unterhalb der ersten Liga. Die Zukunft wird zeigen, ob die Kommerzialisierung den Sport tatsächlich voranbringt oder ob damit ein wichtiger Teil seiner Seele verloren geht.