Frauen im thüringer fußball: ein langsamer, steiniger weg nach oben

Die Ernennung von Marie-Louise Eta zum Cheftrainerin bei Union Berlin hat eine Welle der Diskussionen ausgelöst – und damit auch die altbekannte Frage wieder aufgeworfen: Wie sieht es eigentlich mit Frauen im Fußball in Thüringen wirklich aus? Während die Schlagzeilen von Berlin Hoffnung machen, offenbart die Realität im Freistaat eine erschreckende Underrepräsentation.

Alte netzwerke und starre rollenbilder

Es ist kein Geheimnis: Der thüringische Fußball wird von alten, männlich geprägten Strukturen dominiert. „Wir sind immer noch eine Rarität“, fasst Anja Kirchner, Vorsitzende des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball im Thüringer Fußball-Verband (TFV), die Situation treffend zusammen. Diese Rarität ist nicht nur eine Frage der Quantität, sondern auch der Sichtbarkeit. Frauen, die in Führungspositionen tätig sind, stehen unter besonderer Beobachtung, während unangemessene Äußerungen und mangelnder Respekt leider keine Seltenheit sind.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von den Kreisfußballausschüssen arbeiten lediglich 13 Prozent in den Vorständen Frauen, im Vorstand des TFV sind es sogar nur etwa vier Prozent. Diese Diskrepanz spiegelt sich auch im Männer-Spielbetrieb wider, wo es derzeit keine weiblichen Staffelleiterinnen gibt.

Tina Scherneck, Präsidiumsmitglied beim FC Carl Zeiss Jena, betont, dass Frauen in diesen Positionen oft etwas Besonderes sind. Ein zweischneidiges Schwert, denn während dies die Sichtbarkeit erhöhen kann, entsteht auch ein immenser Druck. Fehler werden schneller bemerkt, die Beobachtung ist intensiver.

Mehr als nur kuchen backen: die unsichtbare belastung

Mehr als nur kuchen backen: die unsichtbare belastung

Doch die Hürden beginnen oft schon viel früher, im Vereinsalltag. Nicole Sondermann vom Kreisfußballausschuss Jena-Saale-Orla beobachtet, dass Frauen im Fußball häufig bei der Organisation und Nebenaufgaben landen: Mannschaftskasse, Feste, Verpflegung. Der stereotype Gedanke „Wer backt den Kuchen?“ ist weit verbreitet und hält Frauen davon ab, ihre eigentlichen Fähigkeiten einzubringen. Eine Last, die oft in der Öffentlichkeit übersehen wird.

Auch die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Fußballkarriere stellt eine große Herausforderung dar. Kirchner weist darauf hin, dass Frauen im Ehrenamt oft stärker unter den Belastungen durch Familie und Beruf leiden. Man braucht Rückhalt im eigenen Zuhause, um sich im Fußball engagieren zu können.

Vorbilder und gezielte förderung: der schlüssel zum wandel

Vorbilder und gezielte förderung: der schlüssel zum wandel

Trotz der Schwierigkeiten gibt es Hoffnung. Gerade der Nachwuchs bietet vielversprechende Ansätze. „Kindern ist es meist egal, ob ein Mann oder eine Frau an der Seitenlinie steht – solange Kompetenz da ist“, sagt Kirchner optimistisch. Um diese Entwicklung zu fördern, braucht es sichtbare Vorbilder, die medial und öffentlich wahrgenommen werden.

Der TFV setzt bereits auf gezielte Förderprogramme für weibliche Ehrenamtliche und spezielle Trainerinnen-Kurse. Doch es braucht mehr als nur Kurse – es braucht eine grundlegende Veränderung der Denkweise, eine Abkehr von starren Rollenbildern und eine konsequente Bekämpfung von Sexismus und Diskriminierung. Vizepräsident Mike Noack formuliert es klar: „Frauen müssen gewonnen, begleitet, qualifiziert und ermutigt werden, sich zu engagieren.“

Die Ernennung von Marie-Louise Eta mag ein Hoffnungsschimmer sein, doch der Weg zu einer gleichberechtigten und vielfältigen Fußballlandschaft in Thüringen ist noch lang und steinig. Es liegt an uns allen, diesen Weg gemeinsam zu beschreiten – mit Entschlossenheit, Mut und dem Willen, den Fußball für alle zugänglich zu machen.