Frankreich zerquetscht dbb-frauen – langes erste lektion schmerzt
Paris lässt grüßen: 63:85, und die deutschen Basketballerinnen kassierten in Villeurbanne eine Abreibung, die bis September nachhallen wird. Olaf Lange musste an seiner Seitenlinie miterleben, wie seine Neu-Basketball-Damen gegen Olympia-Zweite Frankreich nicht nur unterlagen – sie wurden dekonstruiert.
Frankreich war schneller, aggressiver, cleverer. Bereits nach zehn Minuten lag das DBB-Team mit 15 Punkten hinten, und die 8.000 Zuschauer in der Astroballe feierten jeden Treffer von Marine Johannés wie ein frühes Weihnachtsgeschenk. Die deutsche Defense wirkte wie gelähmt, das Ball-Umschaltspiel lahm. „Wir haben den Schalter vergessen“, sagte Nyara Sabally später – und meinte damit nicht nur die Defense, sondern die mentale Einstellung.
Ein dreier bringt nur kurzes lebenszeichen
Saballys Dreier vor der Halbzeit verkürzte auf 35:47, doch der kleine Run täuschte. Frankreich antwortete mit einem 10:0-Blitz, und die deutschen Fehlwürfe häuften sich. 14 Ballverluste in 30 Minuten – so viel war selbst Lange nicht gewöhnt. „Wir haben heute gesehen, was internationale Spitze bedeutet“, sagte der Bundestrainer, ohne eine Entschuldigung zu suchen. Sein Fazit: „Physis, Tempo, Reaktion – da stehen wir noch auf der Bremse.“
Die Statistik liest sich wie ein Lehrbuch über fehlende Präsenz: nur 37 % Feldwurfquote, 28 Punkte in der Paint gegen 48 der Französinnen, dazu Minus-13 Rebounds. Ohne Satou Sabally und Marie Gülich fehlte die Anführer-Autorität unter den Körben. Lange rotierte zwar bis auf die letzte Bank, doch selbst seine jungen Flügelspielerinnen konnten das Tempo nicht mitgehen.

Die wm steht vor der tür – und die uhr tickt laut
Berlin ruft: In 178 Tagen beginnt die Heim-WM. Die Niederlage ist ein Weckruf, der weit über das Ergebnis hinausgeht. „Wir müssen lernen, dass schöne Pässe gegen Korea reichen, gegen Frankreich aber jeder Wurf kontestiert wird“, sagte Spielmacherin Alexis Peterson. Iresige Körpersprache, verpasste Box-Outs, verspätete Rotationen – Kleinigkeiten, die sich im Endresultat zu einer 22-Punkte-Klatsche auftürmen.
Doch Lange will keine Drama-Show. „Wir haben bewusst dieses Turnier gewählt, um genau diese Lektion zu bekommen“, betonte er. Gegen Kolumbien und Nigeria gilt es nun, die Defensiv-Intensität zu erhöhen und die neue Systematik zu verankern. Die Punkte für die Qualifikation hat der Gastgeber ohnehin sicher – jetzt zählt nur noch Entwicklung.
Die französische Presse spricht bereits von „ein Jahr zu früh“ für die deutschen Hoffnungsträger. Lange schmunzelt darüber. „Wir sind nicht hier, um Freundschaftsspiele zu gewinnen. Wir sind hier, um im September zu schlagen.“ Die Uhr tickt, die Lektion ist erschreckend klar – und die DBB-Frauen haben 178 Tage, um aus der Demontage eine Montage zu bauen.
