Frankreich schickt dbb-frauen auf lehrgang: 85:63-abriss vor eigenem wm-gastspiel
Die deutschen Basketballerinnen haben in Villeurbanne eine Packung kassiert, die wehtut – und doch Lehrgeld ist. 63:85 lautet die Differenz gegen Olympia-Zweite Frankreich, die neue Bundestrainerin Olaf Lange sah live, wie groß der Graben noch ist, bevor im September Berlin zur WM wird.
Johannés und co. spielen uns die holzfäller-methode vor
WNBA-Star Marine Johannés war nicht einfach gut – sie war gnadenlos. 22 Punkte, 7 Assists, eine Dreier-Quote, die schon im ersten Viertel die deutsche Zone in Schweizer Käse verwandelte. Dahinter: eine Französin-Abwehr, die jeden deutschen Ballverlust sofort in einen Sprint verwandelte. 14:0 nach fünf Minuten, 47:35 zur Pause. Die DBB-Auswahl hatte den besseren Start, aber Frankreich antwortete mit einem 16:0-Lauf und nahm das Tempo so an, dass deutsche Beine plötzlich aus Zement wirkten.
Nyara Sabally war es, die mit einem Dreier kurz vor der Pause noch einmal 12 Punkte heranbrachte. Doch das war Schönrechnen. Die Wahrheit: Im zweiten Viertel verloren die Gäste 13 Körbe, verpassten 8 Freiwürfe und sahen, wie Frankreich selbst aus schwierigen Winkeln noch kassierte. „Wir haben gespürt, was fehlt, wenn Satou und Marie nicht auf dem Parkett stehen“, sagte Sabally nach dem Spiel bei MagentaSport. Gemeint sind Satou Sabally – ihre Schwester – und Kapitänin Marie Gülich, beide verletzt, beide unersetzlich.

Lange nimmt die schelling mit: „test bestanden – nur nicht im sinne von punkten“
Olaf Lange baute schon während der Partie um: Wechsel auf Wechsel, um Jugend mit Erfahrung zu mischen. Das Ergebnis blieb trotzdem hart. „Wir haben gelernt, dass wir nicht nur physisch, sondern auch mental eine Stufe zulegen müssen“, sagte sie. Die Statistik lügt nicht: 18 Ballverluste, nur 37 Prozent aus dem Feld, dazu 9 versenkte Dreier bei 28 Versuchen. Frankreich dagegen: 56 Prozent Feldwurfquote, 23 Punkte aus Fast-Breaks, 40 aus Bällen, die Deutschland einfach weggab.
Dennoch: Die Niederlage steht im Kalender, nicht im Kopf. Denn das Ticket für die Heim-WM hat der DBB bereits sicher – als Gastgeber. Die fünf Quali-Spiele in Frankreich sind deshalb reines Training, auch wenn die FIFA-Rangliste sie trotzdem zählt. Nach dem Debakel wartet Kolumbien am Sonntag (15.30 Uhr), dann Nigeria am Dienstag (17.00 Uhr). Beide Spiele laufen kostenlos bei MagentaSport, und genau darauf wird sich Lange stürzen: „Wir wollen sehen, wer bereit ist, in Berlin 40 Minuten Vollgas zu geben.“
Die Botschaft ist klar: Wer gegen Frankreich die Holzfäller-Methode erlebt, kann nur besser werden. Die WM startet in Berlin am 4. September. Bis dahin hat Deutschland noch 173 Tage – und einen Lehrplan, der jetzt erstmals richtig weh tut.
