Frankfurt schlägt freiburg nieder – europa flüstert wieder

42 Sekunden. So lange brauchte Fares Chaibi, um das Waldstadion in einen Pulverfass zu verwandeln. Sein Tor gegen Freiburg war nicht nur das 1:0, es war die Zündung für eine Saison, die vor zwei Monaten noch wie Wrackgut aussah.

Riera hat den knacks repariert

Albert Riera trat Anfang Januar an, als die Eintracht sieben Spiele sieglos war und die Fans ihre Trikots ins Feuer werfen wollten. Jetzt steht die Mannschaft auf Platz sieben, nur drei Punkte hinter Leverkusen. Der Katalane hat aus einer verunsicherten Truppe wieder eine Schwarmorganisation gemacht, die in der Lage ist, den Gegner in dessen Hälfte zu ersticken. Gegen Freiburg lag die xG-Statistik bei 2,1 zu 0,7 – das ist keine Glückssache, das ist Dominanz.

Die Zauberformel heißt: hoher Verteidigungsblock, sofortiges Gegenpressing und Bahoya als freischwebende Zehn. Der Franzose traf zwar nur einmal, aber seine drei Ballgewinne im letzten Drittel führten direkt zu Großchancen. „Wir haben gelernt, dass Leidenschaft nicht reicht, man muss auch den richtigen Abstand halten“, sagte Riera nach dem Spiel. Er sprach von „Mikro-Metern“, die seine Spieler kontrollieren müssen – Details, die früher unter Dino Toppmöller unter den Tisch fielen.

Die europa-league-tür steht einen spalt offen

Die europa-league-tür steht einen spalt offen

Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Frankfurt die nächsten fünf Spiele gegen St. Pauli, Heidenheim, Mainz, Köln und Wolfsburg, rutscht die Mannschaft mindestens auf Rang fünf. Denn Dortmund und Leipzig haben nach der Winterpause ebenfalls Punkte liegen lassen, während Bayern mit dem Gedanken an die Klub-WM schon in Richtung Katar blickt. Sollte der DFB-Pokalsieger unter den Top 6 landen, winkt Platz 7 ein Ticket für die Europa League – und genau daran knabbert die Eintracht seit Wochen.

Axel Hellmann formulierte es wie ein Pokerprofi: „Wir geben keinen Chip her, bevor die letzte Karte liegt.“ Gemeint ist: Frankfurt wird nicht mehr von außen nach Europa schielen, sondern von innen an die Tür klopfen. Die restlichen zehn Spiele sind ein Kurzzeit-Cup, in dem Krösche und Co. bereits jetzt mit 18 Punkten planen.

Chaibi und bahoya sind die neuen joker

Chaibi und bahoya sind die neuen joker

Die Tore kommen nicht von Haller-Ersatz Manga, sondern von zwei Substituten, die im Sommer noch als Rohdiamanten galten. Chaibi traf in seinen letzten 98 Spielminuten dreimal – das ist eine Quote von einem Tor pro 33 Minuten. Bahoya steht bei zwei Toren und zwei Vorlagen in vier Einsätzen. Die beiden sind das Sprungbrett, weil sie genau die Lücken nutzen, die Gegner in der Schlussphase reißen, wenn die Beine schwer werden. „Wir haben keine Stars, wir haben Waffen“, sagte Kapitän Robin Koch. Das klingt nach Kampf statt Kalkül – und genau das ist der neue Ton.

Die Fans spüren es. Die Deutsche Bank Park war am Sonntag nach 78 Minuten noch zu 80 % gefüllt – ein Wert, den es in der Toppmöller-Ära nur bei Bayern-Spielen gab. Die Kurve sang „Wir sind wieder wer“, und diesmal war es keine Ironie.

Der glaube ist keine metapher mehr

Der glaube ist keine metapher mehr

Frankfurt hat in dieser Saison bereits 21 Punkte nach Rückstand geholt – Liga-Spitze. Das ist keine Eintagsfliege, das ist ein Muster. Wenn die Eintracht früher unter Druck kollabierte, lässt sie sich jetzt erst so richtig ein. Die nächsten fünf Gegner haben zusammen 14 Punkte weniger als Frankfurt. Die Türe steht offen, der Weg ist asphaltiert. Und wenn Chaibi am Freitag in Hamburg wieder nach 42 Sekunden trifft, flüstert Europa nicht mehr – es schreit.