Frankfurt rückt an bayerns talentschleife – würzburg wird neues goldgräber-revier
Eintracht Frankfurt schickt ihre Talentsucher nach Unterfranken. Die Kickers aus Würzburg sind ab sofort die fünfte offizielle Partner-Station des Bundesligisten – und die erste, die direkt an die Bayern-Metropole grenzt.
Die Rechnung der Hessen ist simpel: 1,3 Millionen Einwohner, 120 Kilometer Luftlinie, ein ganzes Bundesland, das bisher kaum systematisch abgegriffen wurde. Alexander Richter, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, nennt das Gebiet „ein unverbrauchtes Eldorado“. Er sollte es wissen – er war es, der Lennart Karl vor Jahren aus Hassfurt nach Frankfurt holte. Heute spielt der 20-Jährige Champions League für den FC Bayern.
Die bayern profitieren schon – frankfurt will nachlegen
32 Pflichtspiele standen Karl in dieser Saison schon im Protokoll, Tom Bischof aus Neustadt a.d. Aisch folgt dem Beispiel. Beide kamen über Umwege nach München, beide wurden in Unterfranken entdeckt. Die Eintracht will künftig den Umweg sparen und die Talente direkt einfädeln – mit Würzburg als Aushängeschild.
Die Kickers selbst kämpfen in der Regionalliga um den Aufstieg in Liga drei, doch auf dem Papier ist die neue Kooperation bereits erste Liga. „Wir vereinen regionale Verwurzelung mit internationaler Expertise“, sagt Präsident Michael Grieger. Gemeint ist: Die Kickers übernehmen das Tagesgeschäft von der U8 bis zur U19, Frankfurt liefert Wissen, Trainingsmethoden – und springt ein, wenn ein Junge bereit für das Bundesliga-Trainingszentrum ist.
Bisher arbeitet die Eintracht mit zehn Standorten zusammen, darunter TuS Koblenz und Waldhof Mannheim. Keiner liegt so nah an der eigenen Haustür. Die Fahrt vom Riederwald nach Würzburg dauert mit dem Auto 90 Minuten, mit der Bahn knapp zwei Stunden. Scoutings, Lehrgänge, Medizin-Checks – alles organisch machbar, ohne Flug und Hotel.

Die geografie lügt nicht – und die konkurrenz schläft nicht
Bayern München baut in Unterfranken längst ein Netz aus Kooperationsklubs auf, Mainz 05 und der 1. FC Nürnberg patrouillieren ebenfalls. Wer zuerst knipscht, sichert sich die Rechte. Frankfurt will nicht mehr zuschauen, wie internationale Konkurrenten die besten Jahrgänge abziehen, während man selbst auf hessische Postleitzahlen wartet.
Die Kickers wiederum hoffen auf den Schub. In den vergangenen zehn Jahren gingen gerade einmal drei eigene Junioren den Weg in die 3. Liga, keiner schaffte den Sprung höher. Mit Frankfurter Know-how soll sich das ändern – und der Klub könnte künftig Ablösesummen kassieren, statt Spieler kostenlos ziehen zu lassen.
Die erste gemeinsame Testrunde startet bereits im Juli. 60 Jungs der Jahrgänge 2015 und 2016 sind eingeladen, sechs werden direkt ins Hessische mitgenommen. Richter will Zahlen statt Worte: „In fünf Jahren reden wir nicht mehr über Potential, sondern über Spieler, die in der Bundesliga stehen.“
Wenn der Plan aufgeht, fließt künftig mehr Geld nach Würzburg – und nicht nur Spieler Richtung München.