Forster nagelt silber fest – 0,46 sekunden vom traum-double entfernt

Cortina d’Ampezzo – Die Fahne schwenkte, das Herz klopfte, das Monoski quietschte. Anna-Lena Forster preschte als Letzte ins Ziel, sah die Ziffer 0,46 leuchten – und wusste: Gold war greifbar nah, blieb diesmal aber verwehrt. Die 30-Jährige aus Radolfzell sichert sich in der Super-Kombination Silber, ihre zehnte Winter-Paralympics-Medaille, doch die elfte sollte golden sein.

Im Super-G lag Forster bereits 2,82 Sekunden hinter Spaniens Überfliegerin Audrey Pascual Seco. Im Slalom, ihrer Paradedisziplin, riss sie 2,36 Sekunden heraus – reichte nicht. „Ich habe alles rausgehauen, aber die Spur war rutschig und die Linie nicht perfekt“, sagt sie atemlos. Pascual Seco jubelt über 2:11,22 Minuten, Forster bleibt das Trostpflaster von 0,46 Sekunden. Bronze geht an Chinas Sitong Liu (+3,31).

Der montag nagt noch an ihr

Erst ausgeschieden, dann zurück auf dem Podest – das ist Sport in Reinkultur. Montag war Forster im Super-G wegen eines Torfehlers raus, ein Schock. „Ich habe drei Nächte nicht geschlafen, das saß tief“, gibt sie offen zu. Am Dienstag schraubte sie die Bindung zwei Grad nach vorn, fuhr aggressiver, riskierte die zusätzliche Druckstelle am Oberschenkel. „Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich’s kann.“

Die Zahlen sprechen trotzdem für sie: fünf Starts in Cortina, zwei Medaillen – Gold in der Abfahrt, Silber in der Kombi. In Peking 2022 und Pyeongchang 2018 gewann sie beide Male die Kombination. Nun also Silber statt Rekord-Dreier. „Ich bin keine Sammlerin, ich will gewinnen“, sagt sie und lacht, obwohl die Enttäuschung hinter den Augen blitzt.

Rothfuss kämpft sich zurück, rieder verpasst top-ten

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In der stehenden Klasse liefert Andrea Rothfuss nach ihrer Depression ein Comeback auf Augenhöhe: Rang sechs, 12,16 Sekunden hinter Schwedens Gold-Blitz Ebba Arsjö. „Ich bin stolz, dass ich überhaupt wieder da stehe“, sagt die 36-Jährige. Anna-Maria Rieder wird Elfte (+15,80), die russische Super-G-Siegerin Warwara Worontschichina fliegt im ersten Lauf raus – ein Tag voller Brüche und neuen Hoffnungen.

Deutschland steht nach drei Rennen bei zwei Medaillen, beide von Forster. Die nächste Chance auf Gold: Slalom am Samstag. Forster hat sich bereits umgeschult – neue Stöcke, härtere Kanten. „Ich fahre nicht nach Hause, bevor ich wieder ganz oben stehe“, sagt sie. Die 0,46 Sekunden werden sie begleiten, aber sie werden sie nicht definieren. Die Fahne schwenkt weiter.