Forster jagt gold-hattrick: paralympics-samstag wird zum doppelspektakel
Anna-Lena Forster könnte heute Geschichte schreiben. Nach Siegen in Abfahrt und Riesenslalom peilt die Monoskifahrerin im Slalom die dritte Goldmedaille an – ihre Paradedisziplin. Drei Golds in drei Tagen, das wäre selbst in ihrer Traumwelt noch ein Exkurs in die Unmöglichkeit.

Deutschland will staffel-kracher und eishockey-revanche
Während Forster um 08:55 Uhr in Cortina die Pistenränder zum Glühen bringt, scharfen die Langläufer im nordischen Doppel ihre Stöcke. Die Staffel der Frauen und Männer gilt als Edelmetall-Kandidatin, die Staffelstaffel will nach der enttäuschenden Mixed-Staffel den Bogen zurück zur Medaillenküche spannen. Die deutschen Eishockey-Cracks treffen um 16:05 Uhr im Spiel um Rang fünf auf Gastgeber Italien – ein kleines Finale mit großem Stolz. Die Vorrundenpleite (1:2) brennt noch unter den Nägeln.
Und dann ist da noch Ralph Etienne. Der Haitianer, der 2010 bei einem Erdbeben sein Bein verlor, fuhr gestern trotz Disqualifikation mit breitem Grinsen die Tofana hinab. „Skifahren ist Freiheit“, sagte er und klang dabei, als hätte er das Tal der Träume betreten. Seine Geschichte ist kein Nebenschauplatz, sondern der Kern dessen, was diese Spiele ausmacht: Menschen, die Unmögliches möglich machen.
Leonie Walter durfte nach 70 Minuten Jury-Poker doch noch Bronze behalten – ein Sieg gegen Technikpannen und Sonnenflecke am Schießstand. Die 24-Jährige trägt nun zwei Medaillen im Gepäck, doch ihr Blick richtet sich schon auf die Verfolgung. Die Paralympics sind kein Festival der Trostpreise, sondern ein Kaleidoskop aus Willen, Präzision und gelegentlichem Chaos.
Heute Abend steht das Eishockey-Finale zwischen Kanada und den USA an. Die Nordrivalen liefern sich seit Jahren ein Katz-und-Maus-Spiel um die Krone. Wer live dabei ist, erlebt vermutlich wieder ein Lehrstück über Powerplay und Nervenkrieg. Die deutschen Fans dürfen dagegen hoffen, dass die eigene Mannschaft gegen Italien Revanche übt und Platz fünf einfährt – ein Ziel, das vor dem Turnier noch bescheiden klang, nach der Vorrunde aber wie ein kleiner Pokal riecht.
Die Paralympics in Italien sind kein Nebenprodukt der Olympischen Idee, sondern deren radikalste Inkarnation. Wer hier gewinnt, spielt nicht nur gegen Gegner, sondern gegen Grenzen. Für Forster könnte der Slalom heute zur Jahrhundertleistung werden. Für Deutschland könnte der Samstag zum Dreifach-Spektakel werden. Und für alle Zuschauer ist klar: Wer heute wegschaut, verpasst den Moment, in dem Sport zur Legende wird.
