Förster: dfb-team auf dem weg zum titel – schlotterbeck-ausfall eine chance!

Karlheinz Förster, Europameister von 1980 und VfB-Stuttgarter Legend, sieht die deutsche Nationalmannschaft im Rennen um die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko überraschend optimistisch. Während der Ausfall von Nico Schlotterbeck natürlich schmerzt, sieht der 68-Jährige vor allem eine Chance für andere Spieler, sich zu beweisen und die Mannschaft vorwärtszubringen.

Die neue struktur unter nagelsmann trägt früchte

Die Leistungen der Nationalmannschaft in der Gruppenphase waren beeindruckend. Julian Nagelsmann hat es geschafft, eine klare Struktur und ein starkes Selbstbewusstsein in der Mannschaft zu etablieren. Jeder Spieler scheint seine Rolle zu kennen und innerhalb des Teams herrscht eine klare Hierarchie. Das Ausstrahlen von Stärke, das Deutschland in den letzten Jahren vermisst hat, ist zurück – und das ist bei einer Weltmeisterschaft von unschätzbarem Wert. Aber Förster mahnt zur Vorsicht: „Das 2:1 gegen die Elfenbeinküste war knapper, als viele erwarten. Solche Spiele musst du erst einmal gewinnen. Es zeigt, dass es noch Luft nach oben gibt.“

Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung von Deniz Undav. „Undav ist für mich der Gewinner des Turniers bei den Deutschen“, erklärt Förster. „Er spielt mit großem Selbstvertrauen, arbeitet enorm viel für die Mannschaft und ist vor dem Tor sehr effektiv. Beim VfB hat er anfangs etwas Zeit gebraucht, aber seine Entwicklung ist außergewöhnlich. Er muss jetzt Stammspieler sein.“ Auch Jamie Leweling überzeugte bisher mit Tempo und Unbekümmertheit, was bei einer Weltmeisterschaft für besondere Momente sorgen kann.

Schlotterbeck-rückschlag: teamgeist zählt

Schlotterbeck-rückschlag: teamgeist zählt

Der Ausfall von Nico Schlotterbeck ist ein Rückschlag, keine Frage. Seine Qualitäten im Spielaufbau und in den direkten Duellen sind unbestritten. Doch Förster sieht auch die Schattenseiten: „Er ist 26 Jahre alt. In diesem Alter muss ein Innenverteidiger mehr Sicherheit ausstrahlen. Er hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder Fehler erlaubt.“ Das Entscheidende ist jedoch, dass Schlotterbeck trotz seiner Verletzung beim Team bleibt. „Genau solche Dinge machen eine Mannschaft bei einem Turnier aus. Nach einer schweren Verletzung wäre es menschlich gewesen, sofort abzureisen. Wenn ein Spieler trotzdem bleibt, zeigt das Charakter und Teamgeist.“

Antonio Rüdiger, der nun wieder in die Stammelf rückt, beweist ebenfalls Professionalität und Charakterstärke. „Jeder Spieler möchte spielen, aber wenn jemand eine Entscheidung akzeptiert und sofort bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, spricht das für seinen Charakter. Rüdiger bringt Erfahrung und Führungsqualität mit – gerade in der K.o.-Phase kann das enorm wichtig werden.“

Frankreich und olise: eine neue macht im weltfußball

Frankreich und olise: eine neue macht im weltfußball

Auch ein Blick auf den Kontinentanten ist Förster gewohnt. Als ehemaliger Spieler von Olympique Marseille verfolgt er die Entwicklung des französischen Fußballs genau. „Frankreich gehört weiterhin zu den Topfavoriten. Die individuelle Qualität ist außergewöhnlich. Sie verfügen über enorme Athletik, viel Tempo und eine große Breite im Kader.“ Besonders beeindruckt ist Förster von Michael Olise: „Olise gehört für mich schon jetzt zu den besten Spielern des Turniers. Er verbindet Technik, Spielintelligenz und Kreativität auf höchstem Niveau. Solche Spieler machen am Ende oft den Unterschied.“

Ob Deutschland tatsächlich den Titel holen kann? Förster glaubt daran: „Grundsätzlich schon. Bei Weltmeisterschaften ist vieles möglich, wenn eine Mannschaft in einen Lauf kommt. Entscheidend wird sein, dass die Gruppe gesund bleibt und den Teamgeist bewahrt. Die wirklich großen Prüfungen kommen erst noch. Wenn die Mannschaft ihre Geschlossenheit beibehält und sich weiter steigert, dann ist der Titel keine Utopie. Die Hoffnung stirbt zuletzt – und in diesem DFB-Team brennt mehr als nur die Hoffnung.