Flying tiger zieht giftgläser zurück: blei und cadmium in kindernässen
Es begann mit einem Routine-Test, endete mit einem Rückruf über ganz Europa. Die dänische Billigkette Flying Tiger Copenhagen stoppt sofort den Verkauf von sechs Dekogläsern, nachdem das dänische Lebensmittelkontrollamt Spuren von Blei und Cadmium fand – weit über dem EU-Grenzwert.
Die glas-serie, die jetzt im müll landet
Betroffen sind 220-Milliliter-Trinkgefäße mit Motiven wie gelbe Zitronen, rote Herzen oder bunte Blüten, die zwischen 2024 und 2025 in Deutschland, Österreich und Skandinavien für rund drei Euro über die Kasse gingen. Alle Chargen, alle Farben, kein Exemplar bleibt im Regal. Die Gefahr sitzt nicht im Glasinneren, sondern im Aufdruck: Hitze, Spülmaschine und Mikrokratzer lösen Metallpartikel aus, die sich beim Anfassen oder über die Lippen verteilen.
Das Problem: Blei lagert sich im Körper ein und schleicht sich an die Nervenbahnen. Kinder sind besonders verwundbar – schon geringe Mengen senken den IQ, schädigen Gedächtnis und Sprache. Cadmium sammelt sich in der Niere an und entkalkt Knochen, ein einzelnes Milligramm kann nach Jahrzehnten noch Frakturen auslösen. Die Substanz gilt als krebserregend; Arbeitsmediziner kennen sie als Lungenkarzinom-Auslöser in Batteriefabriken.
Flying Tiger reagiert mit einem klassischen silent recall: Keine große Kampagne, nur ein handschriftlicher Zettel an der Kasse und ein Online-Formular. Kunden erhalten den Kaufpreis zurück – auch ohne Kassenbon. Die Kasse zählt, nicht der Nachweis.

Wie viele gläser sind noch in küchenschränken?
Die Kette nennt keine Stückzahlen. Doch allein in Deutschland betreibt Flying Tiger 92 Filialen, jede führt saisonale Warenbudgets im fünfstelligen Bereich. Brancheninsider schätzen, dass zwischen November 2024 und Januar 2025 mindestens 180 000 Einheiten über den Ladentisch gingen. Die Rücklaufquote bei freiwilligen Rückrufen liegt längst nicht bei 100 Prozent; das Bundesinstitut für Risikobewertung rechnet häufig mit 30 bis 40 Prozent. Tausende Gläser stehen weiterhin in Haushalten – und landen morgen vielleicht im Kindergeburtstag.
Die Meldung fließt in die EU-Schnellwarnplattform RASFF, doch bislang ist kein deutscher Stufenplan bekannt, der Einzelhändler zur öffentlichen Kommunikation zwingt. Verbraucherschützer fordern ein Verkaufsverbot über Call-back hinaus. Die Message ist klar: Dekoratives Design darf keine Gesundheitswaffe sein.
