Florian kainz wirft handtuch: letzte mission rettung für köln
Florian Kainz wird nach zwölf Jahren, zwei Abstiegen und 300 Einsätzen aufhören – und das nicht irgendwann, sondern genau dann, wenn 1. FC Köln am Rande des Abgrunds steht. Der 33-jährige Mittelfeldspieler kündigte am späten Mittwoch über Instagram das Karriereende nach dieser Saison an, während sein Klub auf Platz 14 gleichauf mit dem Relegationsrang wartet.
„Servus“ statt „auf wiedersehen“
„Der Fußball hat mir alles gegeben. Vor allem unfassbar viel Freude. Aber irgendwann geht jede Reise mal zu Ende“, schrieb der Oberösterreicher und fügte hinzu, er werde „im Rahmen meiner Möglichkeiten alles dafür tun, damit wir unsere Ziele mit diesem großartigen Klub erreichen“. Das klingt nach Kampfansage, liest sich aber auch wie ein Vermächtnis. Denn wer Kainz kennt, weiß: Er spricht selten laut, wirkt lieber mit Taten. In dieser Spielzeit reichen die aber nicht mehr weit.
Unter Trainer Lukas Kwasniok kam der frühere Kapitän in 13 Bundesliga-Partien nur auf 297 Minuten – umgerechnet drei volle Spiele. Die meiste Zeit verbringt er neben dem Rasen, berät Jüngere, gibt Standards Tipps, schlägt beim Warmmachen den Ball flach in den Strafraum. Ein Mentor, kein Matchwinner mehr. Die Zahlen sind schonungslos: Sein letztes Tor datiert vom Mai 2023, seine letzte Vorlage vom Oktober 2022.

Zehn jahre deutsche fußball-schule
Kainz kam 2016 aus Wien zu Werder Bremen, wechselte 2019 zum FC, erlebte 2021 den Abstieg, den sofortigen Wiederaufstieg, 2023 den zweiten Abstieg. Er war dabei, als Kölns Fans nach dem Klassenerhalt 2022 den Domplatz verwandelten in ein Meer aus Rot-Weiß. Er war auch dabei, als sich die Mannschaft 2023 in Bochum dem Abstieg ergeben musste. Drei Auf- und Abstiege in vier Jahren – das nagt. „Ich hab nie bereut, nach Köln zu kommen“, sagte er einmal dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Aber ich hab auch gelernt, dass Erfolg hier kein Selbstläufer ist.“
Nun also der letzte Lauf. Die Saison endet am 17. Mai gegen Gladbach. Kainz wird wohl wieder auf der Bank sitzen, vielleicht kommt er für die letzten zehn Minuten. Dann trägt er sich in die Geschichte des Klubs ein – nicht als Torschützenkönig, sondern als Dauerkämpfer, der nie die Fassung verlor, selbst als die Weste schon feucht vom Regen war. Ein Österreicher, der Deutschland verstand und Köln nie verließ.
Sein Vertrag läuft ohnehin aus, eine weitere Rolle steht noch nicht fest. „Ich werde dem Fußball Servus sagen“, schrieb er. Kein „Ende“, kein „Abschied“, sondern ein „Servus“ – wie ein Mann, der weiß, dass er irgendwann wiederkommt, nur eben nicht mehr auf dem Platz. Für Köln bleibt die Rechnung offen: Ohne Kainz fehlt fortan die Seele, die den Klub in dunklen Stunden zusammenhält. Die Reise geht weiter, nur der Reisende steigt aus.
