Flick lässt 18-jährigen lahm spielen – und espart liefert

St. James’ Park brüllt, Barca liegt 0:1 zurück, die Uhr steht auf 88. Minute. Da flattert das Aufwärmzettelchen in Richtung Bank, Xavi Espart zieht sein Trikot über den Torso – und Hansi Flick schickt den Jungen ins Inferno. Drei Minuten später grätscht der 18-Jährige im eigenen Strafraum wie ein alter Hase, Barcelona kontert, Pedri schiebt zum 1:1 ein. Debüt in der Champions League? Check. Retter in der Not? Auch das.

Flick zieht den vergleich zu lahm – und meint es ernst

Schon vor dem Spiel hatte der Deutsche den Namen fallen lassen, den deutsche Fußballromantiker seit 2014 wie einen sehnsüchtigen Seufzer herunterleiern: Philipp Lahm. „Ich mag sein Selbstvertrauen am Ball, das erinnert mich an Philipp“, sagte Flick und wischte damit jede Debatte über Rechtsverteidiger-Importe vom Tisch. Espart kann links, rechts, zentral – und er kann den Ball behalten, ohne sich die Hosen vollzumachen. Lahm konnte das. Espart tut es. Die Analogie ist kein Werbegag, sie ist Flicks Arbeitsanweisung.

Die Zahlen untermauern den Hype: In seinen 8:24 Minuten im Premier-League-Kessel gewann der La-Masia-Spross drei von vier Zweikämpfen, spielte 100 Prozent seiner Pässe an den Mann und verursachte kein einziges Foul. Das ist keine Kurve, das ist eine Absichtserklärung.

Barcelona blockierte leihe – und kassierte den dank

Barcelona blockierte leihe – und kassierte den dank

Im Winter lehnte der Klub ein Angebot von Racing Santander ab. Zweite Liga, Startelfgarantie, Spielpraxis – alles schön und gut, meinte Sportdirektor Deco, aber: „Wir wollen ihn hier entwickeln, wo wir jeden Trainingstag mitkriegen.“ Die Entscheidung galt intern als riskant, weil Espart nach einer Knieverletzung nur langsam wieder Tritt fasste. Jetzt fehlen Jules Koundé und Alejandro Balde, Espart rutscht durch – und liefert die Quittung für das Vertrauen.

Mit Lamine Yamal, Pau Cubarsí und Marc Bernal steht bereits ein Trio aus dem Jahrgang 2007 im Profikader. Espart könnte das vierte Rad am Wagen werden, das den katalanischen Turbo weiter beschleunigt. Bernal kommentierte das Instagram-Post seines Kumpans mit einem einzigen Wort: „Philipp.“ Der Vergleich ist programmiert, die Erwartungshaltung wächst.

Deutschland ruft – aber espant antwortet auf spanisch

Deutschland ruft – aber espant antwortet auf spanisch

Die DFB-Elf sucht seit Lahms Rücktritt verzweifelt nach einer Lösung auf der rechten Seite. Joshua Kimmich? Mittelfeld. Benjamin Henrichs? Laufkraft, aber keine Ball-sichere Außenbahn. Espart besitzt den deutschen Pass durch seine Mutter, doch der Junge, der in Vilassar de Mar geboren wurde, will für Spanien spielen. Luis de la Fuente hat ihn bereits für die U-19 nominiert. Ein Wechsel zur Mannschaft, die ihn einst mit Lahm verglich, ist unwahrscheinlicher denn je.

Für Flick zählt das nicht. Er trainiert Barca, nicht die Nationalelf. Und er weiß: Wer in Newcastle unter Flutlicht seine ersten Champions-League-Minuten so souverän übersteht, dem steht ein ganzes Jahrzehnt offen. Espart selbst schreibt: „Es lebe Barca!“ Das klingt nach Anfang, nicht nach Ende. Die Lahm-Schuhe sind groß – aber der 18-Jährige hat bereits die richtigen Socken angezogen.