Flamengo feuert filipe luis nach 8:0-kantersieg – copa-sieger muss gehen

Ein 8:0 wirkt wie ein Freifahrtschein. Bei Flamengo ist es die rote Karte. Kurz nach dem Schlusspfiff gegen Madureira, noch während die Tribüne „Filipe, Filipe“ skandierte, klingelte das Handy des 40-Jährigen. Sportdirektor José Boto: „Wir trennen uns. Sofort.“ Die Copa-Libertadores-Heldengeschichte endet 103 Tage nach dem Pokal-Coup gegen Palmeiras – mit einem Triumph, der niemanden rettete.

Der pokal siegt, die liga nagt

Die Mathématik des Fußballs ist grausam. Fünf Titel in fünf Monaten, darunter der wichtigere Südamerikas, zählen weniger als elf Punkte aus neun Partien. Flamengo liegt in der Campeonato Brasileiro auf Rang elf, vier Zähler hinter Spitzenreiter Botafogo. Die Recopa-Schlappe gegen Lanús (2:4 i. E.) und die Supercopa-Niederlage gegen Corinthians (0:1) lasten schwerer als der glänzende Pokal im Museum. Präsident Rodolfo Landim will Titel, aber vor allem will er welche auf nationaler Bühne. Die Ansprüche des mit höchstem Etat ausgestatteten Klubs der Série A lassen keinen Spielraum für „auf Sicht fahren“.

Intern war die Stimmung schon länger gespalten. Co-Trainer Ivan Palanco musste in letzter Zeit Aufstellung und Training weitgehend allein stemmen, weil Filipe Luis sich zwischen Bank und Kabine auflöste – ein Weltmeister von 2013, aber noch ein Rookie im Coaching. Seine Idee von Positional Play funktionierte in der Libertadores, wo Einzelqualität kurze Pässe rettet. In der Liga aber flackerte die Automatik. 0,9 Tore pro Spiel in der Série A – das ist für einen Kader mit Lucas Paquetá, De Arrascaeta und Pedro ein Armutszeugnis.

Die macht der zahlen – und der uhr

Die macht der zahlen – und der uhr

Flamengo schaut auf den Kalender. Am 12. März erwartet Cruzeiro, aktuell sieglos, ein neues Gesicht an der Linie. Die Kandidatenliste kursiert schon: Jorge Jesus will zurück, Abel Ferreira soll Palmeiras-Abfindung kassieren und wechseln, Tite wartet seit seiner WM-Pleite auf ein Projekt. Wer auch immer kommt, er tritt nicht in ein Vakuum, sondern in ein Pulverfass aus Erwartung. 38 Millionen Euro Jahresgehalt der Spieler – die Uhr tickt lauter als in jedem anderen Verein des Kontinents.

Filipe Luis verlässt das Trainingsgelände in Vargem Grande mit einem Karton voller Medaillen und einem Lächeln, das mehr Mühe kostet als jede Pressekonferenz. „Ich habe Flamengo als Spieler geliebt, als Coach geliebt, werde es als Fan lieben“, sagt er leise. Die Fans skandieren noch immer seinen Namen – diesmal als Abschiedsklaps, nicht als Siegeschor. Ein 8:0 als letztes Kapitel? In Brasilien reicht selbst ein perfektes Resultat nicht, wenn die Latte der Erwartung höher steht als die Torlatte von Madureira.