Fitzpatrick fegt chacarra weg und schnappt sich in indien den ersten tour-sieg
Sieben Birdies in dreizehn Löchern, ein Comeback von sechs Schlägen Rückstand – Alex Fitzpatrick hat den Hero India Open mit einer Attacke geklaut, die selbst seinem Ryder-Cup-Bruder Matt Respekt abverlangt hätte. Mit 69 Schlüssen und einem verschwitzten Doppel-Bogey zum Finale schraubte der 25-Jährige das erste Mal ein DP-World-Tour-Sieger-Trophäe auf die Anlage des DLF Golf & Country Club in Gurugram.
Chacarra baut vorsprung nur auf papier aus
Der Titelverteidiger Eugenio López-Chacarra startete mit vier Schlägen Vorsprung in die Finalrunde, verteidigte die Führung locker über die vorderen Neun, kassierte dann aber einen Bogey nach dem anderen. Während Fitzpatrick die Birdie-Serie des Jahres startete, schlich sich bei dem Spanier die Ungeduld zurück, die ihn Mitte Februar schon einmal aus dem Turnierleben zwang – damals mit einem öffentlichen Rücktritt wegen psychischer Probleme. Die Einladung nach Puerto Rico hatte ihm die Schatten vertrieben, doch in Gurugram holten sie ihn wieder ein.
Die Wende kam beim 12. Grün. Fitzpatrick senkte den fünf Meter-Putt zum Birdie, verkürzte auf einen Schlag. Minuten später, Bahn 13, erneut Volltreffer. Chacarra antwortete zwar mit einem ebenso lauten Putt, doch die Körpersprache verriet: Er spielte nur noch Reaktionsgolf. Die Schläge wurden kürzer, die Landungen härter, und als Fitzpatrick auf dem 15. – dem ersten der beiden verbleibenden Par-5 – zum siebten Birdie ansetzte, war die Führung gestohlen. Der sorpasso in Reinform.

Ein kurs, der fehler bestraft wie ein zollbeamter
Der DLF G&CC gilt unter Spielern als „schön, aber gemein“. Die Fairways winden sich wie ein Seil um Bunkergräben, wer die Bahn verlässt, landet im Rough mit Ball-Grab. Hinzu kamen diesmal Green-Härten, die an Beton erinnerten – braun, glasig, unberechenbar. Ergebnis: nur zwölf Spieler unter Par, darunter Ángel Ayora, der mit 280 Schlägen als bester Inder auf Rang elf landete. Der Rest versank im Bogey-Sumpf.
Für Fitzpatrick war dieses Terrain genau das richtige Prüfgebiet. Der Engländer galt bisher als Talentshow ohne Finale – zu viele Fehler, zu wenige Rundungen unter 70. Die Zahlen vor diesem Wochenende: 38 Turniere, null Siege. Jetzt ist die Liste endlich Makulatur. Er kam mit 13 unter Par ins Clubhaus, ließ sich trotz Doppel-Bogey auf 18 den Triumph nicht mehr nehmen und schickte seiner Bruder-Gruppe eine Sprachnachricht: „Matt, dein Ryder-Cup-Pokal steht bald nicht mehr allein im Regal.“

Chacarra bleibt trotz niederlage auf kurs
Für Chacarra ist der zweite Platz ein halber Sieg. Er bewies, dass er nach der Auszeit wieder vier Runden lang vorne mitspielen kann. Die psychische Belastung war sichtbar, aber er beendete das Turnier – ein Fortschritt, gemessen an den dunklen Wochen Anfang des Jahres. Die 75 Schlüssel am Finaletag schmerzen, doch die Ranglistenpunkte und die Starterlaubnis für die nächsten Wochen sind sein Trost.
Die Tour zieht weiter nach Singapur, doch in Gurugram bleibt ein Gefühl: Irregularität kann plötzlich Kontinuität sein, und ein Schlag aus dem Rough kann Geschichteschreiben. Fitzpatrick hat es vorgemacht – und bewiesen, dass ein Turniersieg manchmal nur eine gute Dreizehn-Loch-Serie braucht.
