Fitness-tracker: die wahrheit über ihre gesundheitsdaten!

Sie tragen ihn am Handgelenk, vertrauen ihm blindlings: Ihr Fitness-Tracker. Doch was, wenn die vielgepriesenen Zahlen nur Schätzungen sind? Eine neue Studie enthüllt, dass Ihre vermeintlich präzisen Gesundheitsdaten weit weniger zuverlässig sein könnten, als Sie denken. Das könnte Ihre Trainingspläne und sogar Ihre Ernährungsgewohnheiten beeinflussen.

Die illusion der genauigkeit: wie smartwatches sie täuschen

Seit fast einem Jahrzehnt sind Fitness-Tracker und Smartwatches aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie versprechen uns Kontrolle über unsere Gesundheit und Fitness, liefern uns Daten in Echtzeit – Kalorienverbrauch, Schlafphasen, Herzfrequenz. Doch Hunter Bennett, Sportwissenschaftler an der Universität Adelaide, warnt: „Die meisten dieser Metriken sind lediglich Schätzungen.“ Die Geräte messen nicht direkt, was sie eigentlich anzeigen sollen. Stattdessen verlassen sie sich auf Algorithmen und Sensoren, die oft ungenau sind.

Nehmen wir das Beispiel der Kalorien. Der Kalorienverbrauch ist eine der beliebtesten Funktionen von Smartwatches, und hier offenbart sich die größte Ungenauigkeit. Laut Bennett können die Geräte den Energieverbrauch um mehr als 20 Prozent über- oder unterschätzen. Besonders bei intensiven Trainingseinheiten, wie Gewichtheben, Radfahren oder Intervalltraining, verstärken sich die Fehler. Eine Überschätzung könnte dazu verleiten, mehr Kalorien zu sich zu nehmen, was zu einer Gewichtszunahme führt. Eine Unterschätzung hingegen birgt die Gefahr einer Unterernährung und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit.

Auch bei der Schrittzählung gibt es Stolpersteine. Smartwatches können die Schritte um bis zu 10 Prozent falsch messen, insbesondere bei Aktivitäten wie dem Schieben eines Kinderwagens oder Gehen mit wenig Armbewegung. Die Herzfrequenzmessung, oft als die zuverlässigste Metrik angesehen, ist ebenfalls anfällig für Fehler. Bewegung, Schweiß, Hautbeschaffenheit und die Position des Geräts am Handgelenk können die Messung beeinflussen.

Schlaf – ein mysterium für den tracker

Schlaf – ein mysterium für den tracker

Der Schlaf ist ein ganz eigenes Kapitel. Moderne Smartwatches liefern uns einen „Schlaf-Score“ und teilen die Nacht in Schlafphasen ein: leicht, tief und REM-Schlaf. Der Goldstandard für die Schlafmessung ist die Polysomnographie, eine umfassende Untersuchung im Schlaflabor. Doch Smartwatches schätzen den Schlaf anhand von Bewegung und Herzfrequenz. Sie können zwar relativ gut zwischen Wach- und Schlafphasen unterscheiden, sind aber bei der Identifizierung der einzelnen Schlafphasen deutlich ungenauer. Ein vermeintlich tiefer Schlaf könnte also in Wirklichkeit eine andere Phase sein.

Auch die Berechnung des „Erholungswertes“ ist problematisch. Sie basiert auf der Herzfrequenzvariabilität, die idealerweise mit einem Elektrokardiogramm gemessen werden sollte. Smartwatches schätzen diese jedoch am Handgelenk, was zu erheblichen Fehlern führen kann. Das Ergebnis: Eine ungenaue Metrik, die möglicherweise nicht den tatsächlichen Erholungszustand widerspiegelt. Ein Warnsignal des Trackers, dass man sich nicht ausreichend erholt hat, könnte dazu führen, dass man ein Training auslässt, obwohl man sich eigentlich fit genug fühlt.

Die große frage: wie viel vertrauen können wir unseren geräten schenken?

Die große frage: wie viel vertrauen können wir unseren geräten schenken?

Und was ist mit dem VO₂max, der maximalen Sauerstoffaufnahme? Auch hier liefern Smartwatches nur Schätzungen, die systematisch fehlerhaft sind. Sie neigen dazu, den VO₂max bei untrainierten Personen zu überschätzen und bei trainierten Personen zu unterschätzen. Bennett fasst zusammen: „Die Zahl auf dem Display spiegelt möglicherweise nicht Ihre tatsächliche Fitness wider.“

Sollten wir unseren Geräten also misstrauen? Nicht unbedingt. Die Daten können weiterhin nützlich sein, um Entwicklungen im Zeitverlauf zu beobachten. Entscheidend ist jedoch, nicht auf die täglichen Schwankungen zu achten, sondern auf den eigenen Körper zu hören. Wie Bennett betont: „Achten Sie auf Ihr Gefühl, Ihre Leistung und Ihre Erholung. Das gibt Ihnen wahrscheinlich mehr Informationen als Ihr Smartwatch.“

Die Technologie ist noch nicht perfekt, aber sie kann ein nützliches Werkzeug sein – solange wir uns ihrer Grenzen bewusst sind. Es liegt an uns, die Daten kritisch zu hinterfragen und die Kontrolle über unsere Gesundheit nicht vollständig an ein Gerät abzugeben. Denn am Ende zählt immer noch der gesunde Menschenverstand, nicht die Zahl auf dem Display.