Fischer wählt kiel – und versetzt magdeburg und berlin mit seitenhieb
Justus Fischer schlägt ein, wo es wehtut. Der 23-jährige Nationalspieler verpasst dem Rekordmeister SC Magdeburg und den Füchse Berlin mit einem Satz eine Ohrfeige, die noch nachhallt: „Die sind am Peak.“ Gemeint: oben angekommen, kaum Luft nach oben. Sein Ziel: THW Kiel – 2027, aber jetzt schon das große Ziel, eine neue Ära zu starten.
Warum kiel? weil dort gerade kein fertiges produkt lauert
Fischer hätte es bequem haben können. Magdeburg, Liga-Primus, spielt Champions-League-Finale fast im Schlaf. Berlin, Pokalsieger, mit einem Kader, der sich selbst bedient. Stattdessen sucht er sich den Klub, der zuletzt grauhaarig wirkte, nicht mehr ganz up to date. „Kiel ist für mich der größte Verein der Welt, aktuell aber leistungstechnisch nicht ganz oben“, sagt er. Das klingt nach Mitleid? Ist es nicht. Es klingt nach Machtanspruch.
Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert nimmt den Seitenhieb mit einem Lächeln, das fast schon zwickt. „Das ist ein Kompliment“, sagt er und meint es offenbar ernst. Denn wer als Spieler einen Klub deshalb ausschließt, weil er für zu stark hält, erhebt dessen Gegner auf Augenhöhe. Wiegert weiß: Das nächste Spiel gegen die Füchse (Samstag, 18.30 Uhr) ist kein Finale, sondern eine Standortbestimmung. Wer gewinnt, darf sich weiterhin „Peak“ nennen. Wer verliert, mausehalt in Fischers Argumentation.
Die Zahlen sprechen für sich: Magdeburg sammelte 2025 58 Punkte – Hausnummer Rekord. Berlin blieb in der Hauptrunde ungeschlagen. Beide Klubs haben den Luxus, sich auf das nächste Level zu konzentrieren, statt unten anzufangen. Fischer will genau das: anfangen, nicht verwalten. „Darauf habe ich einfach unglaublich Bock“, sagt er und klingt dabei wie ein Student, der sich für die Baustelle statt fürs Praktikum entscheidet.

Der transfer wirft fragen auf, die 2027 erst richtig knallen
Kiel muss sich umbauen, ältere Leistungsträger wie Weinhold oder Landin verschwinden. Magdeburg und Berlin müssen sich fragen, ob ihre „Peak“-Phase tatsächlich ein Plateau ist. Und Fischer muss liefern, sonst wird der Satz zum Bumerang. Bis dahin bleibt ein Geschmack, als hätte jemand die dominierenden Clubs der Liga als zu perfekt eingestuft – und sich selbst als den einzigen, der sie noch ärgern kann.
Für Wiegert ist die Sache klar: „Wir werden mit mehr Niederlagen leben müssen.“ Eine Erkenntnis, die selten so offen ausgesprochen wird. Denn wenn selbst der Meister Trainer sagt, dass Spitzenleistung Grenzen hat, dann hat Fischer mit seiner Provokation nicht nur Kiel, sondern die ganze Liga aufgerüttelt. Die Antwort folgt am Samstag – und sie wird laut.
