Fiorentina vor zerreißprobe: europacup-held fagioli lässt raków zittern
Nicolò Fagioli schlug sich auf die Brust, und 40 000 in der Franchi erkannten: Dieser 3:0-Sieg in Białystok war nur die halbe Miete. Jetzt steht die Fiorentina vor demselben Dilemma wie in der vergangenen Saison: Conference-League-Träume oder Serie-A-Kampf ums nackte Überleben?
Der pokal ruft, die abstiegsangst schreit lauter
Donnerstag, 21 Uhr, Stadio Artemio Franchi: Gegen Raków Częstochowa genügt ein torloses Remis, um die Wettquoten der Buchmacher zu erfüllen. 1,94 für „No Goal“ – eine Zahl, die Vanolis Stab lauter ticken lässt als jede Tribüne. Denn am Sonntag wartet schon der nächste Endspiel-Charakter: Cremonese, Tabellenletzter, nur einen Zähler hinter den Violetten. Ein Sieg würde die Toskaner vorerst aus dem freien Fall reißen, eine Niederlage könnte die Saison endgültig aufs Abstellgleis schieben.
Die Rechnung ist simpel, die Umsetzung eine Gratwanderung. David de Gea soll gegen die Polen seine erste Nullnummer seit Februar halten, doch die Frage lautet: Wer darf vor ihm laufen? Kean wird geschont, Ikoné laboriert an der Hüfte, und Bonaventura ist nur eingeschränkt einsatzfähig. Vanoli droht erneut, seine Startelf zu spalten: Eine Hälfte für Europa, eine für das Seuchenspiel gegen Cremonese. Genau diese Rotation kostete die Fiorentina im letzten Winter Pokal-Aus und Liga-Absturz zugleich.

Raków ist kein fremdwort mehr im europapokal
Der polnische Cupsieger qualifizierte sich als Gruppenzweiter hinter Strasbourg und schickte dabei selbst Feyenoord nach Hause. Dreizehn Tore in sechs Partien, nur drei Gegentore – Statistiken, die in der Serie A kaum ein Klub vorweisen kann. Trainer Papszun setzt auf ein 4-2-3-1 mit schnellem Umschaltspiel; linksaußen Szymon Sobczak erzielte in der Qualifikation fünf Treffer, ein Wert, der Fiorentinas gesamte Außenbahn in diesem Wettbewerb übertrifft.
Die Parallelen sind verdammt: Auch Jagiellonia Białystok war „nur“ ein unbekannter Gegner, bevor sie die Viola an den Rand der Blamage brachte. Nach dem 3:0 im heimischen Stadion verloren die Italiener 2:4 in der Verlängerung – ein Debakel, das die Spieler intern als „Florenz-Fieber“ titulierten. Diesmal will Vanoli vor eigenem Publikum schon in der ersten Hälfte die Weichen stellen, um nicht erneut in die Verlängerung zu müssen. Die Wettanbieter sehen ein 1/1 zur Pause und zum Schluss bei 2,75 – ein Kurs, der die Euphorie der Fans widerspiegelt, aber auch die Angst vor einem späten K.o.
Am Ende zählt nur eines: Wenn die Fiorentina nicht zumindest das Achtelfinale erreicht, droht ihr das zweite Jahr in Folge ohne internationale Einnahmen. Und wer in Italien ohne europäische Fernsehgelder spielt, landet schneller wieder in Serie B als ihm lieb ist. Fagioli wird also erneut die Hände formen, diesmal nicht zum Jubel, sondern zum Gebet – dass die Quadrate in der Defensive halten und die Kugel im Sturm trifft. Die Antwort gibt es am Donnerstagabend, 21 Uhr, live und in Farbe. Für die Viola ist jedes Tor ein Befreiungsschlag, jede Minute ein kleines Endspiel.
