Abramowitschs milliarden-loch: versprechen für kriegsopfer bleibt leer

2,7 Milliarden Euro versprach Roman Abramowitsch den Opfern des Ukrainekriegs. Fast vier Jahre später liegen sie auf einem Konto, das niemand öffnen darf – und die Anwälte des Ex-Chelsea-Paten fordern das Geld zurück.

Die briefbombe an downing street

Der Zehn-Zeiler, den die Kanzlei Schillings am Montag an Premierminister Keir Starmer schickte, klingt wie die öffentliche Vorbereitung auf eine Milliardenklage. „Die Verkaufserlöse gehören ausschließlich meinem Mandanten“, zitieren britische Boulevardblätter aus dem Schreiben. Gemeint ist der 58-jährige Oligarch, der im Frühjahr 2022 unter Druck der Sanktionieren den FC Chelsea für 4,25 Milliarden Euro verkaufen musste. Damals noch klang sein Versprechen, „alle Opfer des Kriegs“ zu unterstützen, wie ein Akt verzweifelter Reputation. Heute wirkt er wie ein juristisches Manöver.

Die Fondation, die Downing Street eigens gründete, um die Chelsea-Milliarden kanalisiert zu sehen, wartet leer. Stattdessen pocht Abramowitsch darauf, selbst zu entscheiden, wohin das Geld fließt – inklusive russischer Kriegsgeschädigter. Die britische Regierung will das verhindern und droht dem Unternehmer mit neuen Gerichtsverfahren, sollte er bis zum 17. März keine Freigabe erteilen. Die Antwort seiner Anwälte: wir behalten uns alles vor.

Jersey, tenenbaum und die verschwundenen 1,6 milliarden

Jersey, tenenbaum und die verschwundenen 1,6 milliarden

Im Spiel ist noch eine zweite Summe. Über die Briefkastenfirma Camberley International Investment Limited hatte Abramowitsch Chelsea in 20 Jahren mit 1,6 Milliarden Euro hochfinanziert – über Kredite, die nie zurückgezahlt wurden. Die Gesellschaft steht auf der Insel Jersey unter Ermittlungsdruck; mehr als sechs Milliarden Euro des Oligarchen sind dort eingefroren. Sein Ex-Geschäftspartner Eugene Tenenbaum, heute Verwaltungsdirektor der Briefkastenfirma, ist ebenfalls sanktioniert. Für Downing Street liegt der Verdacht nahe, dass Teile der Chelsea-Erlöse in Wahrheit diese alten Schulden tilgen sollen – und nicht in ukrainische Krankenhäuser fließen.

Die Zahlen zeigen die Dimension des Konflikts: 2,7 Milliarden Euro Spendengeld blockiert, 1,6 Milliarden Euro verschleierte Kredite, 6,1 Milliarden Euro eingefrorene Vermögenswerte. Dazwischen ein Premier, der Druck macht, ein Oligarch, der sich weigert, und eine Stiftung, die nur existiert, um leer zu bleiben.

Ein versprechen, das sich auflöst

Ein versprechen, das sich auflöst

Für die ukrainischen Zivilorganisationen, die sich 2022 auf die schnelle Hilfe einstellten, ist das Warten zur Farce verkommen. „Wir haben Kliniken abgebrochen, weil das Geld kommen sollte“, sagt Oksana Sawtschenko von der Kiewer Stiftung „Lebenslinie“. „Heute lachen uns die Sponsoren aus.“ Ihre Organisation rechnet mit mindestens 400 Millionen Euro, die allein für Prothesen und Rehaphasen fehlen. Stattdessen finanziert die britische Regierung ihre Hilfsprogramme aus Steuermitteln – und erhöht gleichzeitig die Schuldzinsen für die Rüstungsindustrie.

Die juristische Schlammschlacht wird die Lücke nicht schließen. Anwälten zufolge bereiten beide Seiten bereits Memoranden für ein Verfahren vor, das sich bis vor den Supreme Court ziehen könnte. Dauer: mindestens vier Jahre. Kostenvoranschlag: 120 Millionen Euro – Geld, das ebenfalls aus den eingefrorenen Konten kommen soll, wenn die Richter es genehmigen.

Abramowitsch selbst hält sich in Israel auf, sein Visum für Großbritannien ist abgelaufen. Freunde zufolge will er sich nicht mehr in den westlichen Medien äußern. Die letzte öffentliche Äußerung stammt aus einem Interview mit israelischen Sportradios im Dezember 2025: „Ich habe mein Versprechen nicht gebrochen. Die Politik bricht es.“ Am Tag danach stieg der Rubel – und in London fiel ein weiterer Termin für die Freigabe der Gelder aus. Die Opfer warten weiter.