Honorat zündet den joker – jetzt droht köln sein tempo
Franck Honorat brauchte 90 Sekunden, um Eugen Polanski die schwerste Entscheidung der Saison abzunehmen. Ein Sprint, ein Haken, ein Schuss – 2:0, Spiel gelaufen, Joker perfekt. Die Frage, die seit Freitagabend durch die Kabine geistert: Setzt der Trainer seinen Tempomacher am Samstag im Rheinderby von Anfang an ein?
Die bank als zündstoff
Polanski hatte ihn rausgenommen, weil die Zahlen nicht logen: nach dem Augsburg-Spiel nur noch eine Vorlage in neun Partien, dazu zu viele Fehlentscheidungen im letzten Drittel. Die Gespräche liefen hart, aber ehrlich. „Ich habe ihn gefragt, wie er sich fühlt – er sagte: ‚Trainer, du triffst die richtige Entscheidung‘“, erzählt der 40-Jährige. Eine Antwort, die Stärkung und Drohung zugleich war: wenn du mich brauchst, bin ich bereit.
Gegen St. Pauli war die Minute 64 soweit. Honorat kam, sah und traf. Er zwang den Pfosten anschließend zum zweiten Mal, sein Laufweg spiegelte pure Wut über die eigene Bankierung. Plötzlich war der Franzose wieder der, der vor der Winterpause noch mit 30 km/h Gegenspieler versenkte. Die Kurve jubelte, die Mitspieler schlugen auf seine Brust – ein Bild, das Polanski nicht mehr ignorieren kann.

Köln bekommt ein problem
Der 1. FC Köln kassierte in den letzten drei Heimspielen sieben Gegentore, meist nach Tempogegenstößen. Genau dort liegt Honorats DNA. Mit seinem ersten Saisontor hat er nicht nur die Null geknackt, sondern auch die interne Rangliste durcheinandergewirbelt. Beim letzten Derby vor 13.000 Fans fehlte er – diesmal droht er zur Zielperson zu werden.
Polanski wird die Nacht mit Daten verbringen: Laufwege, Sprintwerte, Herzfrequenzkurven. Aber er weiß: manche Entscheidungen trifft der Spieler selbst. Honorat hat sein Argument geliefert, lautstark und mit Nachhall. Wenn er am Samstag in der Startelf steht, war es keine Gnade – sondern eine Konsequenz aus 90 Sekunden, die eine Saison verändern können.
