Fifa zwingt frauen auf die bank: wer künftig bei wm dabei ist, braucht eine trainerin

Ab sofort ist die Führungsetage der FIFA hart, wenn es um die eigene Gender-Quote geht: Wer bei einem Frauen-Turnier dabei sein will, muss eine Trainerin im Staff haben – Chefin oder Assistentin, egal, aber sie muss sitzen. Sonst gibt es kein Startrecht.

Die Entscheidung fiel am Donnerstag im FIFA-Rat, per Video-Call und mit sofortiger Gültigkeit. Betroffen sind alle Bewerber für die U-20-Weltmeisterschaft in Polen (September 2026) sowie künftige WM-Endrunden im Senioren- und Jugendbereich. Die Regel ist Teil eines Pakets, das noch weiter geht: Mindestens eine Frau muss im medizinischen Team stehen, und auf der Bank sitzt künftig niemals nur ein rein männlicher Stab.

Die quote, die niemand mehr ignorieren kann

Die quote, die niemand mehr ignorieren kann

Die Zahlen, die FIFA-Chef Football Officer Jill Ellis präsentiert, sind das eigentliche Beben: Bei der Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland betreuten nur zwölf von 32 Teams eine Frau – 63 Prozent der Spielerinnen liefen für Männer aus. „Wir haben das Wachstum des Frauenfußballs gefeiert, aber an der Seitenlinie herrscht Stillstand“, sagt die ehemalige US-Coach. Ihr Appell an die Verbände: „Stellt Wege bereit, oder wir machen es euch vor.“

Die neue Vorschrift wirkt wie ein Kaltstart. Brasilien, Spanien, selbst der Deutsche Fußball-Bund müssen nachsteuern. Bundestrainerin Horst Hrubesch arbeitet derzeit ohne weibliche Co-Trainerin; Sportdirektorin Joti Chatzialexiou dürfte innerhalb der nächsten Monate ein internes Auswahlverfahren starten. Sonst droht im Fall der Qualifikation für die U-20-WM ein leeres Bank-Drittel – undenkbar für einen Verband, der sich öffentlich für Diversität einsetzt.

Kritik kommt vor allem aus dem Südamerikanischen Verband. „Wir verlieren Autonomie“, murrt ein Delegierter aus Kolumbien. Die FIFA kontert mit dem Verweis auf die TV-Einnahmen: Wer international vertreten ist, profitiert von neuen Sponsorenverträgen – und die verlangen längst sichtbare Frauen in Entscheiderrollen.

Die Maßnahme ist Teil eines Fünf-Punkte-Plans, der auch Mentoring-Programme und ein verpflichtendes Trainee-Jahr für weibliche Analystinnen vorsieht. „Wir wollen nicht nur Gesichter, wir wollen Karrieren“, so Ellis. Der Zeitplan ist eng: Bis September müssen die Nationallizenzen umgeschrieben werden, sonst folgt eine Geldbuße – 50.000 Dollar für jeden Verstoß, der sich im Turnier wiederholt.

Die ersten Verlierer stehen bereits fest: Nigeria und Ghana haben derzeit keinen weiblichen Co-Trainer im Kader und müssen auf Schnellsuche gehen. Die Gewinner könnten die europäischen Top-Verbände sein, die seit Jahren Talentpools pflegen. Frankreichs Coach Hervé Renard holte kürzisch Amandine Miquel von Lyon als Videoanalystin – ein Schachzug, der plötzlich Konjunktur bekommt.

Für den Amateurbereich bleibt die Vorschrift zunächst ohne Folgen. Doch der Signalcharakter sitzt tief: Was auf der größten Bühne Pflicht wird, sickert in die Ligen. Inzwischen melden sich Agenturen mit speziellen Coach-Datenbanken. Die Nachfrage nach weiblichen Diplom-Trainern steigt um 180 Prozent – gemessen an den Suchanfragen innerhalb von 48 Stunden nach der FIFA-Verlautbarung.

Die Entscheidung ist ein Tritt gegen die Sonntagsreden. Ob sie Früchte trägt, wird sich an der U-20-WM zeigen. Eines ist sicher: Die Zeiten, in denen Männer über Frauenfußball debattieren, ohne eine Trainerin im Nacken zu haben, sind vorbei. Oder sie kosten Punkte – und Geld.